Hinten v.l.: LH Hermann Schützenhöfer, Dr. Gottfried Krainer, Erich Polz, Herbert Lugitsch jun., Dieter Lugitsch, Martin Puntigam, Michael Kohlroser, Pater August Janisch, Geschäftsführer Klaus Poier, Obmann Gerald Schöpfer. Vorne v.l.: Johanna Polz, Dornrosen (Katharina, Christine und Veronika Schicho)
© Foto: steiermark.at/Foto Fischer

Josef Krainer-Heimatpreise 2017

DORNROSEN (Kultur)
Pater Mag. August JANISCH (Kulturguterhaltung)
Herbert LUGITSCH und Söhne (Wirtschaft)
OBERLANDLER (Volkskultur und Sozialaktivitäten)
Weinbaufamilie POLZ (Weinwirtschaft)
Martin PUNTIGAM (Wissenschaftsvermittlung durch Kabarett)

Ansprache des Obmannes
Präsident Univ.-Prof. DDr. Gerald Schöpfer
(27. Nov. 2017)

Presse-Reaktionen

Josef Krainer-Heimatpreise 2017

 

DORNROSEN (Kultur)
„Gott – sind die komisch!“ So lautet einer der vielen Kommentare im Youtube-Videokanal der drei Schwestern Katharina, Christine und Veronika Schicho, die als DORNROSEN seit 2001 das Publikum in Österreich, Deutschland und der Schweiz mit Witz, Charme und unglaublichem musikalischen Talent erfreuen und begeistern.
Die drei Schwestern bringen ein musikalisches Kabarett auf die Bühne, das mit viel Rafinesse und feinem Humor unvergleichlich ist. Ausverkaufte Touren, Auftritte im Fernsehen und zahlreiche Produktionen sind das Ergebnis des Erfolges.
Die Musik wurde den DORNROSEN aber mit Sicherheit schon in die Wiege gelegt: Katharina (1979 geboren), Christine (Jahrgang 1980) und die 1984 geborene Veronika wachsen und gedeihen im kleinen obersteirischen Dorf Kobenz (Bezirk Murtal). Mutter Christine Schicho gibt Flöten- und Chor-Unterricht und Vater Fritz Schicho lehrt das Gitarrenspiel. Darüberhinaus lernt das Dreimäderlhaus Klavier, Geige und Cello und begibt sich auch im Abtei-Gymnasium Seckau ganz auf die musikalische Seite.
Das Dichten und Komponieren bereitet den Schwestern schon in früher Kindheit große Freude und Katharina gewinnt bereits mit 15 Jahren die erste Singer-Songwriter-Competition. Alle drei gehen erfolgreich musikalische Wege weiter und formieren sich schließlich im Jahr 2001 zur heute hier ausgezeichneten „Geschwisterband mit Schmäh“ - den DORNROSEN.
Das erste Programm „Frauen sind von der Venus“ erscheint 2004 als CD. Es folgen die weiteren, vielsagenden Programme „Männerschutzfaktor 3“, „Furchtbar Fruchtbar“, „Knecht Ruprechts Töchter“, „Volle Kanne“, „Geschwisterliebe“, „unverblümt“ und „Weltscheibn“, bei dem dann auch Bruder Dominik als Percussionist mit dabei ist. Aktuell erklingen im Programm „Geheime Gelüste“ Liebeslieder zum Niederliegen und – als kleine Vorschau – ab März 2018 startet das neue Programm „WAHNSINNLICH“.
Kaum zu glauben, dass dazwischen noch Zeit für die Familienplanung bleibt, doch mittlerweile gibt es schon vier kleine „Dornröschen“.
Den Durchbruch, wenn man es so nennen will, erreichten die DORNROSEN 2010 mit dem „Rehgehegesong“, der als Werbung für die Tourismusregion Sölden auch als Video produziert wurde und ein Internethit war. Aber auch Schüler übten mit diesem Lied die korrekte Aussprache, schließlich kann der „Rehgehege-Wegepflege-Schrägesäge-Song“ einem schon etwas Konzentration beim Sprechen abverlangen. Mittlerweile gibt es den Song als Kinderbuch – und dazu wiederum ein Video mit Textanzeigen zum direkten Mitsingen.
Was nun für die Zuhörer und Zuschauer oft schon zungenbrecherisch klingt, ist für die DORNROSEN ein Leichtes bzw. sogar ein Liebstes. Die Schwestern kombinieren in ihren Programmen und Liedern perfekten Gesang mit schneidig-scharfen Texten, absoluter Beherrschung ihrer Musikinstrumente und einem Humor, der von ironisch bis komplett verrückt alle Facetten spielt. Ihr Wissen und Können geben sie auch in Workshops gerne weiter.
Ottfried Fischer, für den die DORNROSEN von 2015 bis Frühling 2017 die Show „Ottis Aquarium“ musikalisch begleiteten und der auch in einem ihrer Musikvideos mitspielte, sagte es einfach und treffend: „Klampfe, Geige, Bass  – na, des wird ein Spaß!“
Wenn es nun auch manchmal nach einfachem Klamauk klingt, was die DORNROSEN so von sich geben, so steht doch auch meistens ein ernster Gedanke im Hintergrund der humoristischen Aufarbeitung.



Pater Mag. August JANISCH (Kulturguterhaltung)
Wenn jemand über sein bisheriges Leben berichten kann, dass er sich sehr viel mit Umbau- und Renovierungsarbeiten beschäftigt hat, wähnt man ihn wahrscheinlich in der Baubranche – allerhöchstens noch im staatlichen Finanzsektor, doch unser nächster Preisträger kommt aus einem ganz anderen Bereich – er war langjähriger Pfarrer von Hartberg und ist nunmehr Zisterzienserpater im Stift Rein.
Pater Mag. August JANISCH, Würdigungspreisträger der Dr.-Bruno-Kreisky-Stiftung für Verdienste um die Menschenrechte, Ehrendomherr des Domkapitels Graz-Seckau und Träger des Großen Ehrenzeichens des Landes Steiermark kümmert sich nebst Seelsorge auch um die Öffentlichkeitsarbeit und Ausstellungen sowie auch um die Begleitung der Renovierungsarbeiten im Stift Rein, das das älteste, noch im Betrieb befindliche Zisterzienserstift der Welt ist.
JANISCH wurde 1942 in St. Ruprecht an der Raab geboren und hat schon früh die Faszination zum Priestertum und zur Liturgie für sich entdeckt. In der vierten Klasse Volksschule begann er zu Ministrieren und es machte ihm nichts aus, dass er dafür viereinhalb Kilometer zu Fuß in die Kirche gehen musste – auch nicht, wenn es eine Frühmesse war. Der Glaube war fortan ein wichtiger Bestandteil seine Lebens und so besuchte er das Bischöfliche Gymnasium in Graz und studierte anschließend Theologie.
1966 wurde JANISCH in Graz zum Priester geweiht. Bis 1969 war er Kaplan in Hitzendorf und bis 1980 Präfekt und Lehrer im Bischöflichen Seminar und Gymnasium in Graz. Mit der Diplomarbeit „Bischöfliches Seminar und Gymnasium. Von den Anfängen bis zur Gegenwart“ erlangte er 1980 den akademische Grad des Magisters der Theologie und war ab diesem Zeitpunkt für die kommenden 20 Jahre Pfarrer von Hartberg.
In dieser Zeit gab es in Hartberg viel zu bauen und zu renovieren, doch besonders auch durch die wertvolle Mithilfe von Mitarbeitern und der Pfarrbevölkerung konnte vieles gelingen. JANISCH engagierte sich daneben auch ganz besonders für Flüchtlinge, die damals aus Polen, Ungarn oder dem Balkan geflohen waren, und überzeugte auch seine Mitarbeiter von der Sinnhaftigkeit und Wichtigkeit der Hilfe für diese Menschen. Auch die Bevölkerung stand den Flüchtlingen vorwiegend aufgeschlossen gegenüber, es gab viele großzügige und hilfsbereite Gesten. Doch das Engagement für die Flüchtlinge brachte auch ein bitteres Erlebnis mit sich: Am 3. Dezember 1993 wurde JANISCH das erste Opfer des Briefbomben-Attentäters Franz Fuchs. Der Anschlag verletzte ihn an Kopf und Händen, und natürlich war das Erlebnis erschütternd und furchtbar.
JANISCH ließ sich dennoch nicht entmutigen und setzte sich weiterhin für Hilfe suchende Menschen ein. In seiner Zeit in Hartberg war er übrigens auch Chef des jetzigen Bischofs Wilhelm Krautwaschl, der damals Kaplan in Hartberg war.
Aufgrund einer Krebserkrankung verließ JANISCH die Pfarre Hartberg im Jahr 2000 und fand nach einem sogenannten Sabbatjahr im Stift Rein ebendort seine neue Heimat. Es reifte in ihm der Wunsch nach dem Mönchtum, 2001 zog er den Habit eines Zisterziensernovizen an und 2005 legte er die Feierliche Profess als dauerhafte Bindung an das Kloster ab.
Vieles von den Erfahrungen, Gedanken und der Lebenseinstellung von Pater JANISCH findet sich in dem 2002 erschienenen Buch „Mit weitem Herzen. Gedanken eines Grenzgängers.“
Mit eben diesem weiten Herzen erfüllt er nun auch im Stift Rein seine Aufgaben: Da das Kloster auch touristisch interessant ist, hat die Öffentlichkeitsarbeit einen hohen Stellenwert. Jährlich kommen etwa 10.000 bis 12.000 Besucher, die durch 17 ehrenamtliche Mitarbeiter einen geführten “Blick hinter die Klostermauern” machen können. 
Im Bereich Renovierung kann sich JANISCH darüber freuen, dass die Innenrenovierung der Basilika vor zwei Jahren abgeschlossen werden konnte. Nun schauen die Mönche bereit voll Vorfreude auf das große Ereignis „Stift Rein 2029“ hin. Im Jahr 2029 wird das Zisterzienserkloster nämlich sein 900-jähriges Bestehen feiern. Ein Ereignis, für das viele anzudenken und vorzubereiten ist. Somit wird Pater JANISCH auch weiterhin seine wertgeschätzte Erfahrung und seinen Weitblick in und um die Belange des Stiftes Rein einbringen können.
Ein Grundsatz, den Pater JANISCH immer vertreten hat, ist es, Hilfe und Gaben weiterzugeben, solange man noch am Leben ist, denn dadurch kann viel Freude an einen selbst zurückfließen.


Herbert LUGITSCH und Söhne (Wirtschaft)
Die südoststeirische Unternehmerfamilie LUGITSCH kann auf eine mittlerweile mehr als hundertjährige Firmengeschichte zurückblicken und ist aus der regionalen, nationalen, und auch internationalen Wirtschaft nicht mehr wegzudenken.
Die Herbert Lugitsch u. Söhne Ges.mbH fasst ihr Angebot in den drei Kompetenzbereichen Farm, Feed und Food zusammen, die ganzheitlich ineinander greifen und sich ergänzen. Das heißt, in der Futtermühle werden Futtermittel – von konventionell bis 100% Bio, in Zusammenarbeit mit regionalen Landwirten – erzeugt, die auch in der eigenen Geflügelzucht eingesetzt werden. Dieser geschlossene Kreislauf ist übrigens einzigartig in Österreich. Gezüchtet werden Bio-Kücken und biologische oder konventionelle Junghennen – z.B. unter der Marke Henriette besonders glückliche Junghennen. Neben Know-how für Stallungen, Geflügelzucht und Futtermitteln für Geflügel, aber auch Rinder, Schweine und andere Tiere, steht an der Spitze die Herstellung von Lebensmitteln wie Hühnerfleischprodukten und Eiern. Allen bekannt ist sicher die Marke Steirerhuhn, die für Hühnerfleisch mit höchster Qualität – eben aus eigener Aufzucht und Futtermittelerzeugung – steht. Das Unternehmen LUGITSCH hat noch viele weitere Angebote und Kompetenzen, doch das alles aufzuzählen, würde den heutigen Rahmen sprengen.
Außerdem möchten wir uns den Menschen widmen, die hinter dem Erfolg des Unternehmens stehen: Herbert LUGITSCH sen., der heute Abend leider verhindert ist, wurde 1937 als zweiter Sohn von Martha und Florian Lugitsch geboren. Kurz vor Kriegsende flüchteten er, ein Bruder und seine Mutter zu deren Schulfreundin nach Katsch (im Bezirk Murau). Bei der Rückkehr war der Schock groß: Sämtliche Wirtschaftsgebäude und Stallungen waren abgebrannt, die Brücke und Wehranlange (das Unternehmen wurde direkt am Fluss Raab gebaut) gesprengt, auch das Wohnhaus war stark beschädigt. Doch die Familie ließ sich nicht entmutigen und begann sofort mit dem Wiederaufbau.
Herbert besuchte die Handelsakademie, machte eine Müllerlehre und war dann auf der Müllereifachschule in Wels. Ab Sommer 1957 arbeitete er schließlich im elterlichen Betrieb mit. Nach der Gesellen- folgte die Meisterprüfung als Müller und auch Ehefrau Ilse trug den Mädchennamen Müller. 1959 begann man mit der Mischfutterherstellung. 1963 und 1964 kamen die beiden Söhne Herbert und Dieter zur Welt, die heute als Geschäftsführer an der Spitze des Unternehmens stehen und die wir auch bei uns begrüßen dürfen.
Doch so schnell ging das nicht, es gab auch Rückschläge, wie schadhaftes Futtermittel, das Schlachthöfe auch nach Neuproduktion aller Futtermitteln dazu veranlasste, willkürliche Preisabzüge bei den mit Lugitsch-Futter belieferten Betrieben vorzunehmen. Durch eine günstig erstandene Schlachtanlage war hier die Abhängigkeit aufgehoben – und kurze Zeit später arbeiteten die anderen Schlachtbetriebe doch wieder mit LUGITSCH zusammen. Während es privat turbulent und traurig zuging – die Ehe mit Ilse wurde geschieden, die Söhne blieben bei Herbert, Vater Florian erlag 1971 einem schweren Krebsleiden – entwickelte sich das Unternehmen immer weiter. Neue Maschinen und Lagerräume wurden geschaffen, Anlagen teilweise automatisiert und 1988 wurde sogar eine unterirdische Bahnwaggon-Entladestation in Betrieb genommen, die bis vor drei Jahren im Einsatz war. Mittlerweile hatte Herbert LUGITSCH mit Marianne wieder eine Frau an seiner Seite – und hat sie auch heute noch–, die es hervorragend verstand, den Männerhaushalt LUGITSCH mit viel Einfühlungsvermögen zu einer Großfamilie zu formen. Nachdem 1985 die Herbert Lugitsch OHG gegründet wurde, wo auch die beiden Söhne bereits integriert waren, wurde daraus 1989 eine GmbH. Mit den verkauften Vermahlungsrechten der Mühle wurde dann die neue Geflügelverarbeitungsanlage mitfinanziert. 1992 wurde in der Futtermühle (als erste in Kontinentaleuropa!) eine Pasteurisierungsanlage eingebaut, um das Futter frei von Salmonellen zu halten. 1999 wurde die Futtermühle Pöttelsdorf erworben, die als 100%ige Bio-Futtermühle fungiert. Seit 2002 sind die Söhne Herbert jun. und Dieter alleinige Geschäftsführer, aber nicht weniger umtriebig als Vater Herbert es war, der dem Unternehmen aber als Konsulent erhalten bleibt. Es folgten weitere Modernisierungen, Vergrößerungen und Neubauten wie auch Übernahmen von Betrieben wie dem Mischfutterbetrieb in Eggendorf. Per 2017 beschäftigt die Firma LUGITSCH 186 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Dem Vater wie den Söhnen ist gemeinsam, dass sie stets mit Weitblick und Visionärsgeist in die Zukunft sehen, mit dem Willen, die besten Wege und Ideen für ein erfolgreiches und nachhaltiges Morgen zu finden, auch wenn man als Unternehmer stets vor neue Herausforderungen gestellt wird.


OBERLANDLER (Volkskultur und Sozialaktivitäten)
„Steirerbrauch – Herzlichkeit
Steirerg’wand – G’müatlichkeit
hilfreich sein – alle Zeit
ist der Oberlandler Freid“
So lautet der Vereinsleitspruch der OBERLANDLER Graz, der von der Gründung 1883 bis heute seine Gültigkeit hat, ebenso wie die Vereinsziele: Erhaltung der Freundschaft, Brauchtumspflege und Wohltätigkeit. Doch wer sind diese OBERLANDLER, die eigentlich Grazer sind, und was macht sie aus?
Bereits in den 1870er Jahren traf sich in der alten „Schwechater“ Bierhalle in der Grazer Herrengasse täglich eine Stammtischrunde, deren Mitglieder den unterschiedlichsten bürgerlichen Berufen angehörten. Die Liebe zu Bergwanderungen führte zur Gründung der „Alpinen Tischgesellschaft d’Oberlandler z’Graz“, erster Großbauer, also Vereinsobmann, war Nikolaus Kollndorfer. Die Ausflüge ins steirische Oberland rückten den „Stammtischlern“ nicht nur die steirische Alpenwelt näher, sondern machten vielmehr auf die damals herrschende große Not unter den Kleinhäuslern und Holzknechten aufmerksam. Derart aufgerüttelt beschlossen die OBERLANDLER, die Ärmsten unter den Armen auf ihren Wanderungen mit Schuhen und Kleidungsstücken auszurüsten, die sie in ihren Rucksäcken in die Berge mitnahmen.
Der Verein ist seit jeher nach dem Vorbild einer bäuerlichen Gemeinde, einer „Bauerng’man“ aufgebaut. Alle Vereinsmitglieder tragen einen Vulgonamen, der auf ihren Beruf und ihre Herkunft hinweist, z.B. unter den aktuellen Vereinsmitgliedern ein „Keuschnhuaba“, ein „Fuhrbauer“ ein „Tandler“ oder ein „Striezelbauer“. Auch die Funktionen haben eigene Bezeichnungen: so heißen der Obmann „Großbauer“, sein Stellvertreter „Kleinbauer“, der Schriftführer „Gmoaschreiber“ und der Kassier „Säcklwart“.
Die Mitgliedschaft ist streng geregelt, maximal 24 aktive Bauern repräsentieren jeweils einen Berufszweig. Die Aufnahme in den Verein ist nur mit Zustimmung aller Bauern möglich. Die Vereinssitzungen finden wöchentlich statt, der Vereinssitz ist das „Gösser-Bräu“ in der Grazer Neutorgasse. Es gibt vier Brudervereine, die Oberlandler Leoben (D’Oberlandler z’Loibn), die Oberlandler Knittelfeld, die Oberlandler Bruck an der Mur (D’Rennfelder z’Bruck) und die Oberlandler Villach (Bauerngman Villach). Derzeit sind im Grazer Verein 22 aktive Bauern tätig, sowie 10 Ehren- bzw. Ehrengroßbauern, die jedoch keine Vereinspflichten mehr haben.
Vereinszweck der „OBERLANDLER Graz“ war, bedürftigen Kindern verarmter Bauern und Keuschler festes Schuhzeug und wetterfestes „G’wand“ zu schenken. Die erste Kinderbescherung fand am 8. Dezember 1888 in der Volksschule Stattegg-Kalkleiten statt. Über 4.000 Kinder wurden seit der Vereinsgründung vollständig eingekleidet und darüber hinaus mit Geschenken, die den Kindern Freude bereiteten, bedacht.
Dank sozialer Errungenschaften ist die Zahl bedürftiger Kinder stark gesunken. Die „OBERLANDLER Graz“ haben hier mit einer Ausweitung ihrer karitativen Tätigkeit reagiert. So kommen mittlerweile neben Kindern auch bedürftige und notleidende Steirer aus allen sozialen Schichten in den Genuss der wohltätigen Zuwendung. Das notwendige Geld bringen die Vereinsmitglieder unter anderem beim traditionellen OBERLANDLER -Ball im Congress Graz auf, der in weit über 100 Jahren (seit 1886) zu einem nicht mehr wegzudenkenden gesellschaftlichen Ereignis in der Landeshauptstadt Graz geworden ist. Der Ball darf übrigens nur in echter steirischer Festtagstracht besucht werden, denn die Aufrechterhaltung der echten Trachten wird auch entsprechend den Vereinsstatuten der OBERLANDLER Graz gefördert.
Seit 1995 wird der „Grazer OBERLANDLER -Kirtag“ abgehalten und diese Tradition wird auch zukünftig im Landhaushof in Graz beibehalten. Die Reinerlöse der beiden Veranstaltungen und die Spenden von Gästen und Gönnern sowie die von den Vereinsmitgliedern zu zahlenden Beiträge kommen ausschließlich karitativen Zwecken zugute und landen zu 100% in der sogenannten „Kindlkassa“, dem Konto für die Hilfe von Bedürftigen. Im vergangenen Vereinsjahr wurden Steirerinnen und Steirer, die durch Krankheit, Armut oder Schicksalsschläge in Not geraten waren, im Zuge von etwa 100 Aktionen mit rund 100.000 Euro unterstützt.
Der aktuelle Vereinsobmann, also Großbauer der OBERLANDLER Graz ist Ing. Michael Kohlroser, seines Zeichens Hafnermeister und als OBERLANDLER auch der Michlbauer.

 

Weinbaufamilie POLZ (Weinwirtschaft)
Vier Generationen alt sind die Liebe zum Wein und zur Heimat Südsteiermark in der Familie POLZ mittlerweile. Die Geschichte fing so an, dass der Großvater Johann POLZ 1912 ein Weingut am Grassnitzberg in der Gemeinde Spielfeld erwarb. Wie damals üblich, war es ein typischer, landwirtschaftlicher Mischbetrieb. 1926 wurde dort ein Keller mit einem Presshaus gebaut und der Weinbau wurde stärker forciert. Das damals erbaute Gebäude ist auch heute noch bestens erhalten und zeugt von den Anfängen in kleinen Verhältnissen.
Die nachfolgende Generation in der Weinbaufamilie bildeten Vater Reinhold POLZ und seine Frau Johanna. Reinhold und Johanna POLZ haben Ende der 1960er Jahre den Betrieb auf Wein- und Obstbau umgestellt und begonnen, den Wein in Flaschen abzufüllen und direkt an die Gastronomie und Verkaufsstellen zu liefern. Ebenso starteten sie den Ab-Hof Verkauf und eröffneten auch einen Buschenschank.
Bei so großen Vorhaben will für Nachfolger gesorgt sein und so entstammten der Ehe sechs Kinder. Vier davon sind noch heute im der großen Weinbaufamilie mit Herz und Leidenschaft engagiert tätig: Erich und Walter sind die Chefs des Weingutes POLZ, Bruder Reinhold fungiert als Geschäftsführer und Schwester Johanna führt mit ihrem Mann gemeinsam den berühmten Buschenschank POLZ.
Erich und Walter absolvierten beide nach der Pflichtschule die Landwirtschaftliche Fachschule Grottenhof-Hardt sowie die Weinbauschule Silberberg und sind beide Weinbaumeister. Gleich nach der Schulzeit arbeiteten sie im elterlichen Betrieb mit und begannen, die ersten Qualitätsweine zu erzeugen. 1984 heiratet Erich seine Frau Margareta und bekommt mit ihr zwei Kinder, eines davon ist Christoph, der seit 2011 der Winemaker am Weingut ist und somit in vierter Generation in der Weinbaufamilie POLZ tätig ist. Walter heiratet 1989 seine Frau Renate, die vier Kinder zur Welt bringt, und die im Weinbau einen kongenialen Partner zu natürlichen Gärten entdeckt hat. Walter und Renate legten 1989 auf der Lage Obegg ein Weingut an und bauten dort ein Bauernhaus für sich um. Oberhalb des Weinberges legte Renate eine Garten an und einige Zeit später mussten für eine Zypressen- und Lavendelallee gut 1000 Rebstöcke weichen, was einiges an Überzeugungsarbeit gegenüber Walter benötigte. Doch mittlerweile sind Garten und Weinberg zu einer sich gegenseitig befruchtenden Einheit geworden und als POLZ-Garten auch für Besucher eine beliebte und willkommene Kraftquelle.
Den elterlichen Weinbaubetrieb haben Erich und Walter Ende der 1980er Jahre übernommen und gänzlich auf Qualitätsweinbau umgestellt. Ein Höhenflug des steirischen Weins in den 1990er Jahren motivierte auch die Brüder zu weiteren, neuen Vorhaben und ihre Arbeit wurde und wird laufend mit Auszeichnungen und internationaler Anerkennung belohnt. Weinkeller und Kellerstöckl wurden neu gebaut, das Weingut Eduard Tscheppe am Pössnitzberg konnte erworben werden.  2006 wurde dort dann das Gasthaus Kreuzwirt und 2008 das Hotel Gut Pössnitzberg eröffnet, heute eine der Top-Adressen in der Südsteiermark. Das Restaurant Kreuzwirt im Weinhotel wird auch regelmäßig im falstaff Guide empfohlen. Apropos falstaff: Der Buschenschank Polz, den Tochter Johanna, mittlerweile Kohlenberger, gemeinsam mit ihrem Gatten Wolfgang am Grassnitzberg führt, und wo auch Sohn Max in nächster Generation schon mitarbeitet, ist häufig als bester Buschenschank der Steiermark ausgezeichnet, eine Empfehlung und Auszeichnung jagd die nächste. Das Geheimnis des Erfolges ist hier der perfekte Mix aus traditionellen Schmankerln und neuen Kreationen, die aber stets die regionale Wertschätzung und Herkunft unterstreichen – oder aufstreichen, je nachdem. Mit den Weinen von Erich und Walter gelingt eine wundervolle Verbindung, die Buschenschank-Gäste aus Nah und Fern zu schätzen wissen.
Die Weinbauern sind aber auch weiterhin umtriebig: 2004 wurde die Gebietsvinothek Vinofaktur in Vogau als Marktplatz für Weine der bekanntesten Weinbauern der Region mit einem kleinen Kulinarik-Sortiment eröffnet. 2011 wurde das imposante Bauwerk Genussregal eröffnet, wo nicht nur eingekauft und verkostet, sondern auch Wissenswertes rund um Wein und Kulinarik der Region erfahren werden kann.
In der Steiermark gibt es aufgrund unterschiedlicher – geologischer und landschaftlicher – Gegebenheiten auf verhältnismäßig kleiner Fläche ein sehr große Vielfalt im Weinbaubereich. Auch das Weingut POLZ kann innerhalb seiner Lagen – insgesamt sind es heute rund 105 Hektar) auf eine Vielfalt zurückgreifen (etwa Kalk-, Schiefer-, Sand- und Lehmböden), deren Charaktere in den unterschiedlichen Weinen wiederzufinden sind. Es ist eine besondere Kompetenz der Familie POLZ, diese Komponenten herauszuarbeiten, aber zugleich die Identität des Weines wiedererkennbar zu machen und zu halten. Hier sehen die Winzer auch die Herausforderungen für die nächsten Jahre.
„Sehr gut bleibt, was immer besser wird!“ ist ein Leitsatz der Brüder Erich und Walter POLZ. Die Gedanken um die Qualität des Weines beginnen damit auch nicht erst mit dem Keltern, sondern gehen vom Rebschnitt bis zur Ernte als ständiger Begleiter mit. Handarbeit im Weingarten hat hier noch einen besonderen Stellenwert und ist auch unerlässlich für beste Weinqualität. Auch der Sehnsucht nach Herkunft und Tradition soll damit Rechnung getragen werden. Diese Verwurzelung und zugleich Weitsicht als Grundstein für die Zukunft der folgenden Generationen zeichnet die Familie POLZ ganz besonders aus.
Es sind die über Jahrzehnte gesammelten Erfahrungen, Nachhaltigkeit im Denken und Handeln sowie ein kompromissloser Qualitätsanspruch, wofür der Name POLZ steht.

 

Martin PUNTIGAM (Wissenschaftsvermittlung durch Kabarett)
Ein kleiner Exkurs vorneweg: Wenn Flamingos schlüpfen, haben sie einen grauen Flaum. Es dauert Jahre, ehe sich ihr Gefieder färbt. Erst im reiferen Alter werden sie aufgrund der mit der Nahrung aufgenommen Carotinoide rosa oder auch pink. Sie wissen vielleicht – vielleicht auch nicht, worauf ich hinaus will: Im Kreise der erfolgreichen Wissenschafts-Comedy-Gruppe Science Busters ist ER nicht nur derjenige, der dafür sorgt, dass die Wissenschaftler sich auf der Bühne halbwegs ordentlich benehmen und nicht in die völlige Unverständlichkeit abgleiten, sondern er ist auch der mit dem pinken Federnkleid bzw. T-Shirt: Martin PUNTIGAM, gebürtiger Grazer, der auszog, um der Welt die Welt zu erklären – oder zuerst einmal, um sie zu unterhalten. Was es mit dem Pink nun eigentlich auf sich hat, wissen wir nicht so genau, aber bei den Flamingos sind die besonders farbenfrohen männlichen Exemplare extrem begehrt unter den Weibchen. Nun ja, zumindest Ehefrau Martina Salner war auch ausreichend angetan. Die beiden leben in Wien und haben zwei Kinder, wovon eines schon flügge ist, um in der ornithologischen Sprache zu bleiben – doch eigentlich geht es gar nicht um Fauna oder Flora, sondern um etwas viel größeres:
Das große ganze Wissen, das Universum, die Physik und alle Fragen des Lebens, die Sie sich wahrscheinlich täglich stellen: Soll ich auf die Reise zum Mars eher mehr kurze oder mehr lange Hosen einpacken? Wo finden wir die beste Supererde? Wieso vergesse ich auf dem Weg in einen anderen Raum, was ich dort wollte? Wenn ein Außerirdischer vor meiner Tür steht, bin ich stärker? Oder soll ich ihm lieber Hausschuhe anbieten? Und wenn ja, wie viele?
Martin PUNTIGAM ist mit den Physikern Heinz Oberhummer, der leider vor ziemlich genau zwei Jahren verstorben ist, und Werner Gruber Begründer, Gestalter und Präsentator der sogenannten „Science Busters“, die 2007 mit einer Veranstaltungsserie im Rabenhof Theater in Wien starteten. In diesen Veranstaltungen sollte Naturwissenschaft verständlich, unterhaltsam und spannend dargestellt werden, was mehr als gelungen ist. In über 45 Bühnenprogrammen, 70 TV-Shows für die ORF „Donnerstagnacht“ bzw. „DIE Nacht“ und über 500 Radiokolumnen auf FM4 begeisterten die Science Busters ein breites Publikum und es ist durchaus nicht auszuschließen, dass der eine oder andere danach auch über eine wissenschaftliche Erkenntnis mehr verfügt, und wenn es nur die des ersten Buchtitels ist: „Wer nichts weiß, muss alles glauben!“. Apropos Bücher: davon gibt es bereits fünf, an denen PUNTIGAM maßgeblich mitwirkte. Zuletzt erschien „Warum landen Asteroiden immer in Kratern?“, wo die Science Busters wiederum brennende Fragen der Menschheit wissenschaftlich-humoristisch stellen und auch entsprechend beantworten.
Nach dem Tod von Heinz Oberhummer hat sich die Wissenschaftskabarett-Gruppe neu formiert, ist größer geworden und tritt in wechselnder Besetzung auf. Mit dem jährlichen Heinz Oberhummer Award für hervorragende Wissenschaftsvermittlung zollt man dem langjährigen Kollegen und Freund Tribut.
Doch auch wenn wir heute ganz besonders das Engagement und die Leidenschaft von Martin PUNTIGAM für Wissenschaftsvermittlung in den Mittelpunkt stellen und würdigen wollen, so gibt es auch daneben viele Schritte und Erfolge im Werdegang des vielseitigen Künstlers, die kurz umrissen sein sollen:
Erstes wichtiges Erlebnis: 1969, die Geburt. PUNTIGAM begann (etwas später natürlich) ein Medizinstudium, wandte sich aber dann dem Kabarett zu. Bereits das erste Soloprogramm „Durch und durch“ wurde mit dem Grazer Kleinkunstvogel prämiert. Es folgten elf weitere Soloprogramme.
PUNTIGAM ist auch Autor der Theaterstücke „Tod im Hallenturnschuhlager“ und „Teufelsgschichten und Zaubersachen“. Er ist einer der Autoren der Fernsehsendung „Sendung ohne Namen“ sowie Autor und Gestalter der Radiokolumnen „Herr Martin empfiehlt“ (auf Ö3) sowie Betthupferl, FM3000, Wochenschau, Ombudsmann, Wandertag, und eben Science Busters auf FM4.
Auch eine Schauspielkarriere in Theaterstücken oder Filmen wie z.B. als Hauptdarsteller im Kinofilm Gelbe Kirschen kann PUNTIGAM vorweisen.
Der Josef Krainer Heimatpreis wird sich in eine beachtliche Folge von erhaltenen Preisen einreihen, wie etwa der Salzburger Stier, den PUNTIGAM im Mai 2018 als Mitglied der Science Busters nach 1997 bereits zum 2. Mal erhalten wird, der Prix Pantheon, der Österreichische Kleinkunstpreis und auch Deutscher Kleinkunstpreis, Kommunikator des Jahres, zweimal Wissensbuch des Jahres, Radiopreis für Erwachsenenbildung oder auch im Vorjahr – als erster Kabarettist überhaupt – der steirische Inge Morath Preis für Wissenschaftskommunikation.
Im offiziellen Lebenslauf finden wir 2012 noch den Eintrag Friedensnobelpreisträger, aber den können wir alle uns als Mitglieder der Europäischen Union, die ausgezeichnet wurde, an die Fahne heften.