LH Hermann Schützenhöfer, Preisträger Arnold Schwarzenegger mit Tochter Christina, Obmann Gerald Schöpfer und Ferdinand Krainer.
Foto: steiermark.at/Scheriau

 

Internationaler Josef Krainer-Preis 2017

Arnold SCHWARZENEGGER

Ansprache (Laudatio) des Obmannes
Präsident Univ.-Prof. DDr. Gerald Schöpfer
(24. März 2017)

 

Presse-Reaktionen

Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Wussten Sie, dass über 60 Prozent der Steiermark mit Holz bedeckt sind? Wir sind also ein reiches Waldland mit kräftigen Bäumen.
Darum lautet der Text eines uralten steirischen Jodlers, von dem keiner mehr weiß, wer ihn einst gedichtet hat:  

„Bei uns in da Steiermark, sand d'Leut so groß und stark,                   
sand wia de Tannenbam, bei uns dahoam.“

Wir sind also ein Land der großen starken Leute und der Tannenbäume. Doch nicht nur. Friedrich Niederl, ein unvergessener steirischer Landeshauptmann bezeichnete Josef  Krainer den Älteren – den legendären Namensgeber des heute zu vergebenden Josef Krainer Preises - als den „Lärchernen Stipfel“.
Wir sind also nicht nur ein Land der Tannen, sondern auch ein Land der verdienstvollen Lärchen.
Es gibt aber noch weiteres hervorragendes steirisches Gehölz, nämlich die Eichen.    
Heute ehren wir Arnold Schwarzenegger und wir bleiben beim Waldland, den großen und starken Leuten und der lignophilen Diktion: Wir ehren nun eine steirische Eiche. Was heißt eine – wir ehren die steirische Eiche!

Doch auch ein gewaltiger Baum mit beeindruckender internationaler Baumkrone hat seine Wurzeln, mit denen alles irgendwann und irgendwo ganz klein begann.

Arnold Alois Schwarzenegger wurde 1947 als zweiter Sohn von Aurelia und des Gendarmen Gustav Schwarzenegger in Thal bei Graz geboren. Nach Absolvierung der Pflichtschulen erlernte er den Beruf eines Kaufmannes.  Bereits als Knabe zeigte sich sein wirtschaftliches Talent, so verdiente er gutes Taschengeld, in dem er z.B. auf eigene Initiative am Thalersee den Badegästen Eis verkaufte.     

Schon früh faszinierte ihn der Sport. Er spielte Fußball, ging zum Schwimmen und Boxen. Mit 15 Jahren betrat er erstmals ein Gewichtheberstudio, da sein Fußballtrainer Krafttraining für die Beine angeordnet hatte. Schon bald schloss er sich der kleinen Gruppe an, die den damals noch relativ unbekannten Bodybuildingsport betrieb. Kurt Marnul war eines seiner Idole, sein Freund und Trainingspartner war Karl Gerstl und dessen Vater Fredi Gerstl zählte zu seinen Förderern, mit dem er lebenslang verbunden war.

Den Wehrdienst leistete er beim Panzerbataillon 4 in Graz. Angeblich durfte er seine Trainingshanteln unter dem Bett verstauen, musste aber im Gegenzug aushelfen, wenn es darum ging, eine allzu feste Panzerschraube zu lösen. Übrigens: Angeblich überlebten nicht alle Panzer den Fahrstil des späteren Terminators ohne tiefe Schrammen.

Die Eltern waren zunächst von der „Bodybildnerei“ nur von schaumgebremster Begeisterung. Der Vater meinte, er solle Nützlicheres tun, zum Beispiel Holz hacken. Die Mutter machte sich Sorgen wegen der Bodybuilder-Poster über dem Bett und holte sogar ärztlichen Rat. Doch Arnold trainierte hart und heimste erste Erfolge ein: Er wurde österreichischer Staatsmeister in der Juniorenklasse im Gewichtheben und gewann als „Bestgebauter Athlet“ die internationale Juniorenmeisterschaft in Stuttgart. 1966 übersiedelte er nach München, wo es nicht nur das Hofbräuhaus, sondern auch ausgezeichnete Trainingsmöglichkeiten gab. Dann nahm er erstmals an der Weltmeisterschaft in London teil und wurde auf Anhieb Zweiter. Er gewann auch die WM der Amateure und wurde erstmals Mister Universum. 1968 tritt er bei den Profis an und gewann. Dieser Sieg öffnete die Tore zur Welt, er ging nach Kalifornien.
1970 gewann er erstmals den Titel Mr. Olympia. 1975 beendete er den Leistungssport und widmete sich dem Film. Er trat aber 1980 noch einmal gegen die Weltelite an und siegte. Mit insgesamt sieben Mr. Olympia-Titeln und fünf Mr. Universum-Titeln war er der erfolgreichste Bodybuilder seiner Zeit und ist noch heute prägende Kultfigur.

Allmählich fand Schwarzenegger den Weg in die Medien, wo er dazu beitrug, Fitness und Bodyshaping gesellschaftsfähig zu machen. Fitnessstudios erlebten Aufschwünge, Körperkult einen neuen Hype. Er schrieb Bücher über Diäten und Nahrungsergänzungsmittel. Aber auch als Immobilienmakler erreichte er gute wirtschaftliche Erfolge, er war auch am seinerzeitigen Höhenflug der Restaurantkette „Planet Hollywood“ beteiligt.

In Los Angeles studierte Arnold Schwarzenegger Betriebswirtschaftslehre und erwarb den akademischen Grad „Bachelor of Arts“. 1983 erhielt er die US-Staatsbürgerschaft und 1986 heiratete er Maria Shriver (aus der großen Kennedy-Familie) , mit der er bis 2011 verheiratet war und die vier Kinder Katherine, Christina, Patrick und Christopher hat.
Neben Sport und später Politik hat der Film einen besonderen Stellenwert in seinem Leben. Als Terminator oder Conan lernte ihn die Welt kennen und so mancher Möchtegernheld posiert noch heute mit dem Satz „Hasta la vista, baby!“.

Es reifte die Idee Schauspieler zu werden, so nahm er Schauspielunterricht – eine der ersten Rollen spielte er in einer Folge von „Die Straßen von San Francisco“, in der ein Bodybuilder zum Mörder wird. Der erste große Film „Hercules in New York“ wurde nicht der ersehnte Kassenschlager. Aber mit Conan, der Barbar und später mit Conan der Zerstörer und schließlich mit dem Terminator gelang endgültig der Durchbruch in Hollywood. In den ersten Rollen präsentierte sich der Terminator als wortkarger Bösewicht. Wortreicher waren dann z.B. die Komödien wie Twins mit Danny DeVito oder Kindergarten Cop. Für die schauspielerischen Leistungen gab es zahlreiche Auszeichnungen: vom Golden Globe, Goldene Kamera, MTV Movie Awards und Kid’s Choice Awards und vielen mehr bis zum begehrten Stern am Hollywood Walk of Fame. (1987) und 2015 gab es beim Zürcher Filmfestival den „Golden Icon Award“ für das Lebenswerk.

Ab 2002 wandte sich Arnold Schwarzenegger voll und ganz der Politik zu und im Oktober 2003 gewann er die Wahl und wurde 38. Gouverneur von Kalifornien. Bis 2011 war er in diesem Amt, sozusagen als Governator.
Schwarzenegger verstand es, auch politische Gegner zur Unterstützung zu gewinnen, was klug war, angesichts der demokratischen Mehrheit im kalifornischen Parlament. Er präsentierte sich überaus gewandt der Öffentlichkeit. Besonders engagierte er sich für den Umweltschutz – damit folgte er nicht immer der Linie von US-Präsident George W. Bush. So unterzeichnete er eine Order zur Reduzierung der Treibhausgase in Kalifornien, obwohl die USA das Kyoto-Protokoll nicht ratifizierten. Schwarzenegger konzentrierte sich auf die Eindämmung der Luftverschmutzung und auf die Förderung von erneuerbaren Energien. Hier hat er dauerhafte Markierungen gesetzt  - erfreulicherweise bleibt sein Amtsnachfolger Jerry Brown auf diesem Kurs.

In Österreich sorgte die amerikanische Haltung zur Todesstrafe für Kritik und es ist nicht schönzureden, dass kurzzeitig Disharmonien zu verzeichnen waren.

Nach der Zeit als Gouverneur interessierte sich Schwarzenegger wieder verstärkt für den Film und ist wieder als Schauspieler erfolgreich, aber auch als Produzent, um die ihm wichtigen Themen wie Klimawandel zu erörtern.

Durch sein erfolgreiches Leben gilt Arnold Schwarzenegger als Paradebeispiel für den "amerikanischen Traum". Die Süddeutsche Zeitung schrieb: „Ein Mann, dessen Leben wie ein Film ist, den sich keiner hätte ausdenken können.“ Wer sich ausführlicher für diesen spannenden Lebensweg interessiert, dem empfehle ich die fast 700 Seiten umfassende Autobiographie mit dem Titel „Total Recal“, wo er auch selbst offen die Widersprüche seines Lebens anspricht: Ein Fitnesstrainer, der Zigarren liebt. Ein Umweltschützer, der eine Schwäche für große starke Autos hat, einer der alles seiner Disziplin zu verdanken hat und nicht immer diszipliniert genug war...

Man muss sich hüten, unseren Preisträger in die Kategorie jener Muskelmänner einzuordnen, die für manche mit Vorurteilen verbunden ist. Schwarzenegger hat viele Seiten: Da gibt es den Antiquitätenliebhaber  und Kunstsammler, der auch selbst gemalt und gezeichnet hat. Das gibt es den Schachspieler, den an ökonomischen Fragen interessierten Schwarzenegger, der im Nobelpreisträger Milton Friedman einen interessierten Gesprächspartner hatte Und etwas ist vielleicht vielen völlig unbekannt: Alois Schwarzenegger ist an der University of South California zum Professor of State and Global Policy ernannt worden.

So darf ich Herr Kollege sagen und resümieren:

Es waren nicht Glückstreffer, sondern Fleiß, Ehrgeiz und der Hunger nach mehr, die aus dem kleinen Buben aus der Steiermark einen international anerkannten Sportler, Schauspieler und Politiker machten.

Schwarzenegger hat viel erreicht, aber auch viel weitergegeben.
Er hat sein Herz am rechten Fleck. Sein besonderes soziales Engagement macht ihn zum Motivator und Unterstützer. Von Trainingsprogrammen für behinderte Kinder, Resozialisierungshilfe von Strafgefangenen, Unterstützung der Holocaust-Forschung reicht der Bogen bis zum Einsatz für die Special Olympics. Wer in den letzten Tagen gesehen hat, mit welchem Einsatz und welcher Begeisterung diese Sportler dabei waren, kann ermessen, wie wertvoll dieses Engagement ist.

Arnold Schwarzenegger erhielt schon unzählige Auszeichnungen, von Ehrendoktoraten und Awards von unterschiedlichsten Einrichtungen bis zum Großen Goldenen Ehrenzeichen der Republik Österreich, oder auch dem Großen Goldenen Ehrenzeichen des Landes Steiermark, das ihm 1986 von „Joschi“ Krainer verliehen wurde, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband.

Egal wie erfolgreich, berühmt und anerkannt er geworden ist, Arnold Schwarzenegger hat seine Heimat nie vergessen. Er hat seine Herkunft stets betont, auch mit seinem unverwechselbaren Akzent.

Wo Arnold Schwarzenegger auftaucht, vermutet man Schnitzel und Apfelstrudel in der Nähe – ob Klischee oder nicht – kein Botschafter hatte mehr Werbewert für unsere Steiermark. 1992 eröffnete er die Ausstellung „Imperial Austria“ des Grazer Zeughauses in San Francisco und stellte sich uneigennützig in den Dienst der Tourismuswerbung. Das Washington Journal schrieb darüber, dass Arnold Schwarzenegger in der für viele schönsten Stadt Amerikas vermittelte, dass Österreich mehr zu bieten habe, als Lederhosen. Und er teilte den verblüfften Amerikanern mit, dass Graz die schönste Stadt der Welt sei.
Arnold Schwarzenegger kommt gerne auf Besuch in seine Heimat.
Mit dem Arnold Schwarzenegger Museum wurde in Thal ein Denkmal gesetzt, das vermittelt, was alles mit Willenskraft und Ehrgeiz möglich werden kann.

Es gab aber auch Besuche, die traurigen Anlass hatten, etwa die Abschiede von der Mutter, vom lebenslangen Freund und Unterstützer Alfred Gerstl und von Landeshauptmann Dr. Josef Krainer.

Doch lassen Sie mich zum heutigen Tag kommen.

Der Internationale Josef Krainer-Preis wird nur an ganz besondere Persönlichkeiten verliehen: Die den bisherigen Preisträgern zählen der Südtiroler Landeshauptmann Dr. Silvius Magnago, der Präsident des Internationalen Roten Kreuzes, Dr. Cornelius Sommaruga, Kardinal Dr. Franz König, Das SOS – Kinderdorf International, Klaus Maria Brandauer, UProf. Dr. Philipp Harnoncourt, der deutsche Bundespräsident Dr. Roman Herzog, der erste frei gewählte Ministerpräsident Sloweniens, Alojz Peterle, ORF-Generalintendant Gerd Bacher, der Malteser Hospitaldienst und die bislang letzte Preisverleihung erfolgte an den polnischen Politiker
Prof. Wladyslaw Bartoszewski im Jahr 2009.
Heute ist es wieder soweit und wir dürfen nun den Internationalen Josef-Krainer-Preis vergeben.

Unlängst meinte unser Preisträger über den US-Präsidenten Donald Trump: "Ich glaube, er ist in mich verliebt." Es steht mir nicht zu, dies zu interpretieren, aber ich glaube, da ist Ironie und Humor im Spiel.

Aber etwas ist durchaus ernst gemeint: Die Steirer und Steirerinnern mögen Arnold Schwarzenegger und die Steiermark ist stolz auf den großen Steirer – und das dürfen wir nun mit den internationalen Josef Krainer-Preis zum Ausdruck bringen!