Hinten v.l.: Geschäftsführer Klaus Poier, Obmann Gerald Schöpfer, Rudolf Muhr, Hans Grogl, Franz Krainer, Wolfdieter Sixl, Franz Ederer, LH Hermann Schützenhöfer. Vorne v.l.: Erich Mitterbäck, die Kernölamazonen (Gudrun Nikodem-Eichenhardt und Caroline Athanasiadis), Trautgundis Kaiba
© Foto: steiermark.at/Foto Fischer

Josef Krainer-Heimatpreise 2016

Mag. Hans GROGL (Sport und Wirtschaft)
Franz EDERER (Volkskultur)
Dr. Trautgundis KAIBA (Sozialaktivitäten)
KERNÖLAMAZONEN (Kultur)
Erich MITTERBÄCK (Kultur)
Ass.-Prof. i.R. Mag. Dr. Rudolf MUHR (Sprachwissenschaft)
Univ.-Prof. i.R. Dr. Dr.h.c. Wolfdieter SIXL (Entwicklungszusammenarbeit)

Ansprache des Obmannes
Präsident Univ.-Prof. DDr. Gerald Schöpfer
(28. Nov. 2016)

Presse-Reaktionen

Josef Krainer-Heimatpreise 2016

Mag. Hans GROGL (Sport und Wirtschaft)
Hans GROGL ist ein waschechter Schladminger. Zu Silvester 1952 wurde er geboren, er wuchs in Schladming auf und besuchte dort die Volks- und Hauptschule. Nachdem er das Gymnasium in Radstadt absolvierte, begann er an der an der Karl-Franzens-Universität Graz mit dem Studium der Sportwissenschaft und Geographie. Zum Erlangen des Magisters kamen die Pädagogikausbildung und die Ausbildung zum staatlich geprüften Skilehrer und Skiführer hinzu. Von 1977 bis 1999 unterrichtete GROGL an der Skihandelsschule Schladming. Er ist mit Mag. Elisabeth Grogl verheiratet und hat zwei Kinder und Enkelkinder.
Schon früh zeigte er ein besonderes Engagement für den Bergrettungsdienst, den örtlichen Skiklub und den Steirischen Skiverband. Bereits 1982 arbeitete er aktiv an der alpinen  Schiweltmeisterschaft in Schladming mit, 1983 wurde er stellvertretender Obmann des Wintersportvereins Schladming. Seit 1985 ist er nun Obmann des WSV Schladming, dem größten Verein innerhalb des Steirischen Skiverbandes. Zwischen 1983 und 1990 war Hans GROGL Rennleiter von sämtlichen in Schladming stattfindenden Weltcuprennen, als technischer Delegierter der FIS stand er seit 1989 bei rund 30 Weltcuprennen im Einsatz, 2001 war er als Renndirektor für die Damenbewerbe der WM in St. Anton verantwortlich und er war Jurymitglied bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City 2002.
Heute ist Mag. Hans Grogl allen als „Mr. Nightrace“ bekannt. Grundstein dafür ist die Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung zwischen dem ÖSV und dem WSV Schladming im Jänner 1995. Rund zwei Jahre darauf führte diese zur Austragung des ersten Weltcup-Nachtslaloms auf der Planai am 30. Jänner 1997. Rund 27.000 enthusiastische Schi-Fans, die ganz Schladming in einem bisher unvorstellbaren Glanz erstrahlen ließen, zählte man beim ersten Nachtslalom. Die Fäden laufen seitdem bei Hans GROGL als Präsidenten des Organisationskomitees und seiner Frau Elisabeth im Generalsekretariat zusammen. Gemeinsam haben die beiden, obwohl sie anfangs manchmal belächelt wurden, unerschütterlich an den Erfolg geglaubt. Alle Anstrengungen haben sich bezahlt gemacht. Mittlerweile ist das Nightrace in Schladming zu einem der legendärsten Weltcup-Events und zur größten Ein-Tages-Veranstaltung im Alpinen Skiweltcup geworden. Der Nachtslalom ist über die Jahre rasant gewachsen und mit ihm die Zuschauerzahlen. Mittlerweile tummeln sich bis zu 50.000 enthusiastische Zuschauer am Pistenrand bzw. im spektakulären Zielstadion der Planai. Für die Alpine Schi-Weltmeisterschaft 2013 zeichnete Hans GROGL als Sportdirektor verantwortlich. Er ist Träger des Ehrenrings der Stadt Schladming und bekam im Rahmen der steirischen Galanacht des Sports vor drei Jahren den „Steirische Panther“ für sein Lebenswerk verliehen.
Trotz aller Verpflichtungen hatte die Familie für Hans GROGL immer absolute Priorität. Langsam möchte er es aber beruflich etwas ruhiger angehen, um seine Freude am Reisen ausleben zu können – besonders nach Amerika zieht es ihn immer wieder gerne, um wieder mehr Zeit für die Holzarbeit im eigenen kleinen Wald zu finden und vor allem, um Zeit für das Schifahren mit den Enkelkindern zu haben. Doch einmal möchte es das Schladminger Urgestein noch wissen und steht für die Organisation des Jubiläums-Nightrace, dem 20. Nachtslalom in Schladming, an vorderster Front. Für einen reibungslosen Ablauf gilt es dann noch einmal bis zu 1200 arbeitende Personen zu koordinieren. Am 24. Jänner 2017 wird es soweit sein, wenn wieder 50.000 Fans für einen ohrenbetäubenden Schallpegel auf der Planai sorgen.


Franz EDERER (Volkskultur)
Franz EDERER ist im August 1947 in St. Kathrein am Offenegg geboren und ist dort auch zur Schule gegangen. Sein beruflicher Werdegang begann 1961 mit einer Wagner- und Tischlerlehre. Nach dem Präsenzdienst legte er die Tischler-Meisterprüfung ab und arbeitete im Anschluss für einen Zeitraum von rund 15 Jahren als Tischler in Baden-Württemberg. Seit 1969 ist er mit seiner Frau Maria verheiratet, sie bekamen zwei Kinder und haben heute zwei Enkelkinder und einen Urenkelsohn. Als EDERER 1984 wieder zurück in die Steiermark kam, arbeitete er in Folge vorwiegend als Montage- und Betriebsleiter in Großtischlereien in Weiz bzw. leitete er eine Behinderten-Werkstätte in Spielberg.
Seine erfolgreiche Laufbahn wurde aber jäh durchkreuzt, als sich nach einer Operation im Jahr 2000 Komplikationen einstellten, die einen siebenwöchigen Krankenhausaufenthalt erforderten und schließlich eine Berufsunfähigkeit und Invaliditätspensionierung nach sich zogen. Doch dieser Schicksalsschlag war für Franz EDERER kein Grund seine Leidenschaft für das Arbeiten mit Holz aufzugeben. Ganz im Gegenteil. Durch eine Initiative des Kapellmeisters von St. Kathrein am Offenegg wurde er auf das Brauchtum des Oster-Ratschens aufmerksam gemacht und der erste Grundstein für das Projekt Ratschenbauer gelegt.
Seit 2003 ist sein Herzensprojekt langsam und stetig gewachsen, konnte immer mehr Unterstützer und Interessierte erreichen sowie einem alten Brauchtum zu neuer Aufmerksamkeit verhelfen. EDERER ist heute einer der letzten Ratschenbauer im gesamten Alpenraum und damit auch ein Botschafter dieser jahrhundertealten Tradition. Er wohnt und werkt auf rund 1000 Meter Seehöhe in St. Kathrein am Offenegg, mitten im größten geschlossenen Almgebiet Europas. Dort hat er der Werkstätte seines Vaters neues Leben eingehaucht. Rasch folgten Ratschenbaukurse in Kindergärten, Schulen und Pfarrämtern. Die Zielgruppe beschränkt sich aber nicht auf die Kinder, sondern auch Eltern, Großeltern und Lehrer werden ebenso miteinbezogen. EDERER legt nicht nur auf das Herstellen der Ratschen selbst großen Wert, sondern auch auf den volkskundlichen Hintergrund und auf eine generationenübergreifende Brauchtumspflege. Vor allem in der heutigen, von Technologie dominierte, Zeit ist es umso wichtiger, den Kindern bzw. allen junggebliebenen Interessierten eine Möglichkeit zu bieten, mit ihren Händen zu arbeiten und damit etwas zu erschaffen.
Als das Steirische Volksliedwerk auf EDERERS besonderes Engagement aufmerksam wurde, wurde das Angebot der Ratschenbaukurse auf die gesamte Steiermark und teilweise auch auf andere Teile Österreichs ausgeweitet. Außerdem ergab sich die Möglichkeit, eine Forschungsarbeit über den Brauch des Ratschens in der Steiermark in Auftrag zu geben. Diese mündete in dem von Mag. Johanna Paar im Jahr 2012 veröffentlichten Buch „RRRatschen“, in dem natürlich auch Franz EDERER eine wichtige Rolle spielt. In der Vergangenheit hat der Ratschenbauer immer wieder Projekte in Kooperation mit der HTL Weiz umgesetzt. Schülerinnen und Schüler fertigten etwa technische Zeichnungen und Bauanleitungen der von EDERER gefertigten Ratschen – über die Jahre entstanden hier 30 verschiedene Modelle – an. Die moderne und informative Homepage zeigt bereits, dass der traditionelle Handwerker auch sehr fortschrittlich orientiert ist. Vor kurzem durfte er sogar seine eigene Ratschenbauer-App vorstellen. Diese wurde von Schülerinnen und Schülern des Kollegs für Wirtschaftsingenieurwesen und Informationstechnologie entwickelt und macht es nun möglich, über einen QR-Code Informationen, Fotos und Videos über seine Holzarbeiten direkt am Smartphone abzurufen.
Eine besondere Ehre wurde Franz EDERER im Jahr 2013 zuteil, als er mit dem Goldenen Ehrenzeichen des Landes Steiermark ausgezeichnet wurde. Dank seiner Bemühungen wurde das Ratschen in der Osterzeit im Vorjahr in das Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen. Das Engangement EDERERs geht mittlerweile aber weit über das Ratschenbauen hinaus. Ihm sind Brauchtum und Volkskultur sowie altes Handwerk allgemein ein wichtiges Anliegen. Seit Jahren beschäftigt er sich auch mit der Erzeugung von alten steirischen Holzspielen, seit jüngster Zeit auch mit der Errichtung von Haus-, Hof- und Wegkreuzen sowie Marterln nach alten Symbolen. Er war beim war beim Steiermark-Frühling in Wien und ist immer wieder nicht nur bei Oster- sondern auch bei Adventmärkten vertreten. Gemeinsam mit Kindern bastelt er etwa „Holzlametta“ und allerlei weihnachtlichen Schmuck aus Hobellocken. Mit viel Hingabe und Gespür liegt es ihm besonders am Herzen, vor allem Kindern und Jugendlichen den handwerklichen Umgang mit dem heimischen Rohstoff Holz zu vermitteln. „Ich war immer ein Vollgas-Typ. Ich überleg mir etwas, setz es um und bis jetzt ist es auch immer etwas geworden“, sagt Franz EDERER über sich selbst.


Dr. Trautgundis KAIBA (Sozialaktivitäten)
Trautgundis KAIBA wurde im März 1942 in Pöls bei Judenburg als viertes von fünf Kindern geboren. Ihr Vater Ernest Kaiba war Werkstättenleiter der Pölser Papierfabriken AG, ihre Mutter Wilhelmine war Hausfrau und kümmerte sich liebevoll um sie und ihre Geschwister. Die Lebensphilosophie ihrer Eltern und ihre Haltung anderen Menschen gegenüber haben sie von Kindheit an geprägt. Darüber hinaus hat sie ihre eigene schwere Leiderfahrung fähig gemacht, sich Menschen achtsam zuzuwenden, die auch im Leid waren. Nach dem Besuch der Volksschule in Pöls und Absolvierung der Mittelschule in Judenburg legte Frau KAIBA im Jahr 1961 die Reifeprüfung ab. Im Anschluss inskribierte sie sich für das Medizinstudium an der Universität Graz, 1968 promovierte sie zum Doktor der gesamten Heilkunde. Bis 1972 folgte in Hartberg, Fürstenfeld und Graz ihre Turnusausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin, vier Jahre darauf schloss sie ihre Facharztausbildung zum Facharzt für Lungenkrankheiten ab.
Dr. KAIBA war lange Jahre Ärztin in Hörgas – Enzenbach,  einem Krankenhaus mit vorwiegend chronisch Kranken und krebskranken Patienten. Schon als junge Turnusärztin setzte sie sich mehr als damals üblich mit der Begrenztheit des Lebens, mit dem Sterben der Patienten, mit der Hilflosigkeit der Angehörigen und mit den Ängsten vor dem Tod auseinander. Sterben und Tod wurden in den 1970er Jahren noch weitgehend in der Gesellschaft ausgeklammert, auch in der Medizin wurde über den Tod nicht gesprochen.
KAIBA besuchte das erste, von Univ.-Prof. Dr. Hilarion Petzold initiierte Curriculum über Tod und Sterben in Graz. In vier Einzelwochen über zwei Jahre aufgeteilt, konnte sie sich intensiv mit diesem schwere Lebensthema zu beschäftigen. Diese Zeit gehörte, wie Trautgundis KAIBA selbst meint, zu den wichtigsten Zeiten in ihrem Leben. Erst dann konnte sie sich nach und nach den Sterbenden und deren Angehörigen zuwenden und wurde fähig, andere zu begleiten. Denn die größten Ängste angesichts unseres Lebensendes sind nicht der Tod an sich, sondern es sind die Ängste vor dem Sterbeleiden. Es sind die Ängste vor Schmerzen, vor Einsamkeit, vor Verlust der Würde, vor dem Verlassen bzw. Verlassenwerden, Ängste, eine Last zu sein oder Ängste des Ausgeliefertseins. In Österreich sterben 60-80% der Menschen im Krankenhaus. KAIBA hat das in ihrer Laufbahn als Ärztin vielfach miterlebt. Dabei stellte sie fest: Der Einsatz der modernen medizinischen Technik in der Sterbephase ist oft Ausdruck unserer Hilflosigkeit dem Sterben  gegenüber. Oft wurde der Endpunkt des Sterbens erst sichtbar, wenn das weiße Leintuch über das Gesicht eines Patienten gezogen wurde oder wenn das Bett aus dem Zimmer geschoben worden ist.
1993 war Dr. KAIBA Mitbegründerin des Hospizvereins Steiermark, dessen stellvertretende Obfrau sie bis heute ist. Die Idee dahinter entwickelte sich aus einem Arbeitskreis, der sich um den damaligen Kulturstadtrat Dipl.-Ing. Helmut Strobl bildete und sich mit den Grundgedanken der aus England kommenden Hospizbewegung auseinandersetzte. Das Ziel des Hospizvereins ist es, einerseits die Hospizarbeit in der Öffentlichkeit bekannter zu machen und andererseits die Ausbildung ehrenamtlicher Hospitzbegleiterinnen und -begleiter zu unterstützen. Diese begleiten schwerkranke, alte und sterbende Menschen sowie deren Angehörige. Derzeit sind rund 900 Menschen ehrenamtlich für den steirischen Hospizverein aktiv, insgesamt haben seit Gründung mehr als 4000 Personen an der Hospiz-Grundausbildung teilgenommen.
Von Anfang an trug Dr. Trautgundis KAIBA mit ihrem fachlichen Wissen und ihrem persönlichen Engagement viel dazu bei, dass zahlreiche Menschen beim Hospizverein Steiermark Unterstützung finden. Auch nach ihrer Pensionierung blieb sie weiterhin für die Hospizbewegung im Einsatz und steht unter anderem beim Thema Patientenverfügung beratend zur Seite. 2001 wurde ihr nach Absolvierung eines Speziallehrgangs an der Kardinal König Akademie Wien das ÖÄK-Diplom in Palliativmedizin verliehen. Während ihrer Hospizarbeit in den Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz lernte sie die Wachkomastation in der Albert-Schweitzer-Gasse kennen. Den dort untergebrachten, teilweise fast vergessenen Patienten wendet sie sich seitdem in einem besonderen Maße zu. 2002 war sie Gründungsmitglied der Initiative für Menschen im Wachkoma, seit 2006 bringt sie sich auch dort im Vorstand ein. Beide Vereine, sowohl die Hospizbewegung als auch die Wachkomainitiative, sind einerseits auf finanzielle Unterstützung und Spenden angewiesen, andererseits auch auf das besondere Engagement aller ehrenamtlich Tätigen. Trautgundis KAIBA ist hier mit ihrem unermüdlichen persönlichen Einsatz ein ganz großes Vorbild.


KERNÖLAMAZONEN (Kultur)
Derzeit gibt es wohl kaum ein erfolgreicheres österreichisches Frauenkabarett-Duo als die KERNÖLAMAZONEN. Ihre Ursprünge sind im Jahr 2004 zu finden, als sich drei steirische Freundinnen dazu entschlossen ihren Künstlerleben einen neuen Sinn zu geben und die KERNÖLAMAZONEN zu gründen. Seit 2007 treten sie in der aktuellen steirisch-griechischen Besetzung auf.
Das Kernöl verweist auf die Herkunft von Gudrun Nikodem-Eichenhardt. Sie ist eine echte steirische Schilchermischung und bringt eine Portion Bodenständigkeit gemischt mit schwarzem Humor mit. Ihr Lebenslauf beschreibt sie als abenteuerliche Frohnatur und kernig charmantes, naturbreites Landei. Bereits in ihrer Kindheit spielte sie Querflöte, war Mitglied des Ortsmusikvereins, der Theaterrunde und eines Oberstimmen-Madrigalensembles. Nach der Matura am Musikgymnasium entschied sich die 1980 geborene Weststeirerin für eine private Musical-Ausbildung in Graz. 2001 übersiedelte sie in die Bundeshauptstadt, um am Konservatorium der Stadt Wien zu studieren. 2005 erlangte sie ihr Diplom. Neben ihrer Tätigkeit als KERNÖLAMAZONE ist Nikodem-Eichenhardt Liedtexterin und Darstellerin beim Märchensommer Niederösterreich, sie unterrichtet Gesang und Liedinterpretation und schreibt ihre eigenen Songs. Aus Liebe zur Selbstständigkeit initiierte sie auch einige Theaterprojekte in der Steiermark.
Die Amazonen im Namen verweisen auf die griechischen Vorfahren von Caroline Athanasiadis. Sie bringt ihr südländisches Temperament mit ein. Oder um auch hier aus ihrem Lebenslauf zu zitieren: Sie ist höchst explosionsgefährdet, schneller als Speedy Gonzales und ein charismatischer, erotisch knurrender Wirbelwind. Die genaue Bedeutung zu hinterfragen, sei jedem selbst überlassen. Caroline Athanasiadis steht bereits seit ihrer frühen Kindheit auf der Bühne, egal ob als Tänzerin, Sängerin oder Schauspielerin. Sie nahm Ballett-, Jazz- und Step-Unterricht. Auch sie ging nach der Matura an das Konservatorium der Stadt Wien, wo sie 2002 das Studium des musikalischen Unterhaltungstheaters mit Auszeichnung abschloss. Danach folgten zahlreiche Auftritte und Choreografie-Engagements. Von 2004 bis 2006 war sie bei den Vereinigten Bühnen Graz engagiert, wo sie unter anderem die Dorothy in „Zauberer von Oz“ und die Titelrolle in „Das Tagebuch der Anne Frank“ verkörperte. Ihre musikalische Ader lebte sie in einer A-Capella-Gruppe aus. Neben den KERNÖLAMAZONEN ist sie seit Jahren als freie Choreographin und Liedtexterin diverser Theater- und Kabarettproduktionen tätig.
Als dritte im Bunde widmet sich Michaela Riedl-Schlosser – eine weitere Steirerin – dem Schreiben der Programme. Als Autorin legt sie den KERNÖLAMAZONEN die passenden Worte in den Mund, zaubert witzige und mitreißende Szenen aus ihrer Feder und damit jedem ein Lächeln aufs Gesicht. Die beiden Hauptdarstellerinnen absolvieren mit ihrem steirisch-griechischen Charme bis zu 200 gemeinsame Auftritte im Jahr. Sie sind dazu in ganz Österreich und zunehmend auch in Deutschland und der Schweiz unterwegs. Begleitet – im wahrsten Sinne des Wortes – werden sie am Klavier und auf Reisen von ein paar wunderbaren Musikern. Ihre abendfüllenden Programme, wie Jagdlust, SOKO Kürbis oder das Weihnachtsprogramm Kugel & Keks begeisterten das Publikum. Im Sommer 2012 gewannen sie den Wettbewerb um das „Kabarett-Talent 2012“ beim Wiener Kabarettfestival. Ihr neuestes Werk „StadtLand“ feierte im Oktober 2015 Premiere. Im Fernsehen und Radio waren die KERNÖLAMAZONEN bereits in verschiedenen Kabarett- und Comedysendungen zu sehen bzw. hören. Gemeinsam auf der Bühne standen die beiden u.a. mit Künstlern wie Bülent Ceylan, Viktor Gernot, Christoph Fälbl, Oliver Pocher und Lukas Resetarits. Ein Highlight erwartet alle Fans im Jänner 2017, wenn die Kinodokumentation „KERNÖLAMAZONEN – Der Film“ seine Premiere feiern wird.
Aber auch abseits der Bühne sind die KERNÖLAMAZONEN äußerst umtriebig. Besonders hervorzuheben ist hierbei ihr soziales Engagement als offizielle Botschafterinnen für MOMO, Wiens mobiles Kinderhospiz. Um dieses zu unterstützen, sammeln sie seit 2013 bei jeder ihrer Vorstellungen. Insgesamt konnten sie dadurch bereits 80.000 Euro an finanzieller Unterstützung übergeben, um die Begleitung der Kinder und ihrer Familien zu ermöglichen. Anfang 2017 steht eine erneute Scheckübergabe in der Höhe von rund 40.000 Euro an. Wenn man den Tourkalender der KERNÖLAMAZONEN ansieht, bemerkt man schnell, dass ihnen in den nächsten Monaten sicher nicht langweilig werden wird.


Erich MITTERBÄCK (Kultur)
Erich MITTERBÄCK wurde am 17. Jänner 1939 in Eisenerz geboren. Der gelernte Elektrotechniker und Gendarm war in seiner Jugendzeit auch erfolgreicher Skirennläufer, u.a. österreichischer Jugendmeister im Slalom. Der Skirennzirkus brachte ihn in verschiedene europäische Länder und das Kennenlernen fremder Kulturen und Denkweisen war eine Nebenerscheinung, die fortan sein ganzes Leben prägen sollte. Besonders auch in der späteren Funktion als Skischulleiter, etwa bei Schulskikursen mit den europäischen Schulen aus Brüssel in den 70er- und 80er-Jahren auf Schloss Kassegg (bei St. Gallen) entstanden Verbindungen in zahlreiche Nationen, die zu stark kulturell geprägten Austauschbeziehungen wurden. Gegenseitige Besuche und jeweilige Vorstellung der ursprünglichen musikalischen Erscheinungsformen waren bereits Vorboten für den kulturellen Lebensschwerpunkt MITTERBÄCKs im „Kulturkreis St. Gallen“. Der typische Karriereweg eines Kulturmanagers mag anders aussehen, doch gerade diese Andersartigkeit gepaart mit Hartnäckigkeit, Weitblick und dem Mut zu Neuem, der MITTERBÄCK auszeichnet, trägt reiche Früchte.
Nach St. Gallen im Gesäuse kam Erich MITTERBÄCK Anfang der 1960er-Jahre und gründete dort nach kurzer Zeit einen Männerchor, mit dem er bald nationale Erfolge erreichte. Beachtete Schallplatteneinspielungen und ein erster Preis beim österreichischen Bundesländersingen waren das Ergebnis der stets hoch gestellten Ansprüche an sich selbst. MITTERBÄCK war immer bestrebt, den Chor weiterzuentwickeln, Neues zu erarbeiten, Grenzen zu überwinden und dabei die sangesfreudige Bevölkerung am Neuen, Unbekannten teilhaben zu lassen. Trotz Widerstände aus den Chorreihen wurden auch Frauen eingebunden, die schließlich nicht nur die alljährlichen Adventsingen in der St. Gallener Pfarrkirche bereicherten. Insgesamt 25 Jahre lang leitete MITTERBÄCK den gemischten und Männerchor in St. Gallen. Immer wieder wurden Veranstaltungen, Konzerte und Projekte organisiert. U.a. motivierte MITTERBÄCK die Bewohner der Region, ihre Kinder ein klassisches Musikinstrument erlernen zu lassen – er selbst gab jahrelang Akkordeon-Unterricht – sodass sogar eine Zweigstelle der Musikschule Eisenerz in St. Gallen etabliert wurde. Die vielfältigen Tätigkeiten im Kulturbereich wurden 1989 dann mit der Gründung des „Kulturkreises Gallenstein“ unter eine Dachorganisation gestellt, die MITTERBÄCK gemeinsam mit seiner Frau Johanna und weiteren Gleichgesinnten gründete, und der er seither als ehrenamtlicher Obmann vorsteht.
Die Beschäftigung mit Kunst- und Kulturformen aller Art und besonders die soziokulturellen Ausprägungen einer Region, in diesem konkreten Fall einer peripher gelegenen ländlichen Region, regten MITTERBÄCK immer wieder an, Neues zu probieren und die Verbindungen zwischen Menschen und Kultur, zwischen Hochkultur und ländlicher Volkskultur zu schaffen, um möglichst vielen Menschen die Möglichkeit zu bieten, an künstlerisch-kulturellen Ausdrucksformen teilzuhaben. Soziale Fragen hatten dabei ebenso einen bedeutenden Platz wie die Beschäftigung mit der eigenen Geschichte. Themen wurden aufgegriffen und mit unterschiedlichsten Projekten umgesetzt. Andere Kulturen aus der ganzen Welt spielten im St. Gallener Kulturkreis auch immer eine große Rolle und so war es mehr als passend, das jährliche Kulturprogramm mit „Über’n Zaun schau’n“ zu benennen.
Um eine Professionalisierung für die Kulturarbeit zu erreichen, wurde ein ständig besetztes Büro am Marktplatz in St. Gallen eröffnet. Das hat auch maßgeblich zur Bewusstseinsbildung beigetragen, denn ab diesem Zeitpunkt rückten auch Regionalentwicklungsaufgaben in den Mittelpunkt des Interesses. Zu dieser Zeit absolvierte MITTERBÄCK an der Universität Linz einen Lehrgang für Kulturmanagement – den allerersten Österreichs. Kulturveranstaltungen einfach nur zum Selbstzweck waren für MITTERBÄCK nicht vorstellbar und so übernahm er die Verantwortung für das bereits einige Jahre bestehende Festival St. Gallen, das unter Leitung eines Wiener wenig identitätsstiftend für die Menschen vor Ort war. Selbst wenn viele Einheimische die klassischen Konzerte nicht besuchen, sind doch viele stolz darauf, Teil dieses jährlich seit nunmehr 30 Jahren stattfindenden Gesamterlebnisses zu sein.
Die letzten zwei Augustwochen sind alljährlich für das Festival St. Gallen und seine zeitgenössischen Komponisten reserviert. Es wurde stets weiterentwickelt und MITTERBÄCK und seine Mitstreiter scheuten sich nicht vor Großem: So bot es schon ein ganz spezielles Bild, wenn vier Bösendorfer Flügel im Turnsaal der Volksschule aufgebaut wurden, um hochkarätige Künstler dort auftreten zu lassen, ehe der imposante Rahmen in der renovierten Burg Gallenstein Anfang der 90er Jahre geschaffen wurde. Die Liste der Künstler, die das Festival bereicherten und bereichern, ist lang und eindrucksvoll, von HK Gruber über Kurt Schwertsik, Herbert Willi, Wolfram Berger, Markus Schirmer und Martha Argerich bis hin zum schon als „Hausensemble“ geführten Arnold-Schoenberg-Chor von Erwin Ortner klingen die Namen und Werke. Die Verbindung von außergewöhnlichen Künstlern und vielfältigsten Werken in der beeindruckenden Naturkulisse des Naturparks Eisenwurzen bietet dazu einen ganz besonderen Charme. Das Festival ist beliebter Treffpunkt für Künstler und Musikbegeisterte und bietet in den zwei Wochen ein hochkarätiges und abwechslungsreiches Programm: Open Airs, Konzerte in der Pfarrkirche, in der Burg – zeitgenössische Musik, Weltmusik, Orchester, Barock, Jazz und klassische Kammermusik spannen einen Bogen, der immer auch den Mut zu Neuem erkennen lassen will.
Im Festival und in seinem vielfältigen Tun spiegelt sich immer wieder ein Grundgedanke Erich MITTERBÄCKs wider, nämlich wie wichtig es ist, in einer Gegend, wo man sich wohlfühlt – wo man Bezüge zur Vergangenheit, zur Tradition hat – auch Neues als Impuls zuzulassen. Das kann auf vielfache Weise möglich sein, im musikalischen oder bildnerischen Bereich und vielem mehr. Diese Offenheit entscheidet nicht wenig über die Zukunft einer Region und auch kleine Impulse sind oft der Anstoß zu Innovationsbereitschaft und neuen Ideen, die Großartiges hervorbringen können. Auch betont er vielfach den Einfluss der  Kultur in regionale Belange. In MITTERBÄCKS Ideologie ist die Kultur nicht nur als hübsches Anhängsel der Gesellschaft definiert, bei der als erstes gespart wird, sondern als zentrales, essentielles Element mit weitreichender Einflussnahme. Die meisten Menschen sehen und akzeptieren das als Kultur, was ihnen persönlich gefällt. Ein klarer Blick für weitere Kulturschätze bleibt dann oft verwehrt. MITTERBÄCK fungiert auch hier bereits Jahrzehnte lang als Botschafter für mehr Toleranz, Offenheit und Neugierde gegenüber neuer oder unbekannter Kultur und wird auch nicht müde, das weiterhin zu tun, wofür ihm allerhöchste Anerkennung gebührt. Diese Verwurzelung mit der Region und der gleichzeitige Blick weit über die „G’seis“-Berge hinaus ist eine Kombination, die Erich MITTERBÄCK ausgezeichnet versteht.


Ass.-Prof. i.R. Mag. Dr. Rudolf MUHR (Sprachwissenschaft)
Rudolf MUHR wurde im August 195O als erstes von drei Kindern in Zahling, einem kleinen Dorf im südlichen Burgenland, geboren. Nach dem Besuch der Volks- und Hauptschule in seinem Heimatort bzw. im nahegelegenen Rudersdorf kam er in die Steiermark. Er besuchte die Höhere Bundeslehranstalt für alpenländische Landwirtschaft in Raumberg/Irdning und schloss eine Ausbildung zum Agraringenieur ab. Außer am elterlichen Hof war er als solcher aber nie tätig. Denn gleich nach der Matura verschlug es MUHR für einen halbjährigen Aufenthalt nach Schweden, dann leistete er seinen Präsenzdienst beim österreichischen Bundesheer.
1971 übersiedelte er nach Graz und inskribierte an der Karl Franzens Universität. Nach acht Jahren war Rudolf MUHR Magister in Deutsch und Englisch Lehramt und er schloss das Doktorat in Germanistik im Hauptfach und Allgemeiner und angewandter Sprachwissenschaft im Nebenfach ab. Im Anschluss absolvierte er das Pädagogische Probejahr am Akademischen Gymnasium in Graz und trat eine Stelle als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Germanistik der Universität Graz an. 1983 gründete er die Arbeitsgruppe „Deutsch als Fremdsprache“ und war Initiator der „Sommerkurse Deutsch als Fremdsprache für Stipendiaten aus der Dritten Welt“. 1994 folgte die Ernennung zum Assistenz-Professor, 1996 die Gründung der Forschungsstelle „Österreichisches Deutsch“. Diese war sein Herzensprojekt und bestand bis zu MUHRs Pensionierung Ende des Vorjahres unter seiner Leitung. Sie bildete sich unter dem Namen „Projekt Österreichisches Deutsch“ heraus, das aufgrund der Teilnahme an zwei EU-Sprachprojekten entstanden war. Infolge wurde die Erforschung des Österreichischen Deutsch intensiviert und mit der Forschungsstelle auch institutionalisiert. Darüber hinaus wurden weitere Projekte aus dem Bereich der Korpuslinguistik, Spracherkennung, Wörterbucherstellung usw. durchgeführt. Professor MUHR führte in den vergangenen beiden Jahrzehnten zahlreiche Forschungsprojekte zu Deutsch als Fremdsprache und zum Österreichischen Deutsch durch und brachte unzählige Publikationen dazu hervor. Er beschäftigte sich mit Varianten der Standardaussprache, entwickelte eine Österreichische Aussprachedatenbank, erarbeitete den Lernzielkatalog des Österreichischen Sprachdiploms, veröffentlichte mehrere zweisprachige Schulwörterbücher und die interaktive Lernplattform „Wörterwelt“ für Kinder aus Zuwandererfamilien und gründete die Publikationsreihe „Österreichisches Deutsch – Sprache der Gegenwart“.
2008 folgte ein Wechsel an das Institut für Erziehungswissenschaften, zwei Jahre darauf ein Wechsel an das Zentrum für Plurilingualismus am Treffpunkt Sprachen der Universität Graz. 2015 verabschiedete er sich dort, nach 36 Jahren Tätigkeit an der Uni Graz, in den Ruhestand. Wirklich ruhig ist es aber nicht um ihn geworden, ganz im Gegenteil. Seit 2010 leitet MUHR die von ihm gegründete „International Working Group on Non-dominant Varieties of Pluricenric Languages” mit derzeit 130 Mitgliedern aus 35 Ländern. Er ist Organisator großer internationaler Sprachkonferenzen und ist bereits mit der Planung der International Plain Language Conference, die 2017 in Graz stattfinden wird, beschäftigt. 2014 gründete Rudolf MUHR die Gesellschaft für Österreichisches Deutsch, in der er sich weiterhin sehr für die Sprachentwicklung und den Erhalt der österreichischen Sprache als wichtigen Identitätsfaktor einsetzt. Zugleich rief er den Verein Klarsprache.at ins Leben, der es sich zum Ziel gesetzt hat, Texte der öffentlichen Verwaltung und des Rechtswesens lesbarer und für alle leichter verständlich zu machen.
Der breiten Öffentlichkeit wurde der Germanist als Initiator und Leiter der Wahl des Österreichischen Worts bzw. Unwort des Jahres bekannt. Diese wird seit 1999 abgehalten und findet heuer bereits zum 18. Mal statt. Das erste Wort des Jahrs war übrigens „Sondierungsgespräche“. Es folgten Begriffe, wie „Schweigekanzler“, „Penthousesozialismus“ oder „Willkommenskultur“. Später kamen der Spruch bzw. Unspruch des Jahres und seit 2011 das Österreichische Jugendwort des Jahres hinzu. Die in Kooperation mit der APA (Austria Presse Agentur) durchgeführte und nach außen sehr sichtbare Initiative um das Wort des Jahres soll auch den gesellschaftspolitischen Gehalt von Sprache einer breiten Öffentlichkeit verdeutlichen. Das Wort des Jahres soll von besonderer Bedeutung sein, im öffentlichen Leben des Landes häufig Verwendung finden oder gefunden haben und/oder besondere sprachliche Qualitäten aufweisen.
Für 2016 hat jeder noch die Möglichkeit bis 2. Dezember auf der Website „oewort.at“ online abzustimmen. Die engere Auswahl der möglichen Begriffe für das Österreichische Wort des Jahres 2016 reicht von „arschknapp“ bis zur „Bundespräsidentenstichwahlverschiebung“. Als Unwort stehen beispielsweise „Asylobergrenze“ oder „Öxit“ in der engeren Auswahl. Eines der Beispiele aus der „Short List“ für den Spruch des Jahres 2016 ist die Aussage: „Der Kleber kommt aus Deutschland!“ Wir wissen jedenfalls eines gewiss: Der Josef Krainer-Heimatpreis kommt aus der Steiermark.


Univ.-Prof. i.R. Dr. Dr.h.c. Wolfdieter SIXL (Entwicklungszusammenarbeit)
Wolfdieter SIXL wurde im Mai 1940 in Graz geboren. Nach der Matura am BRG Kirchengasse war er mehrere Jahre lang Werkstudent. Er verdiente sein Geld als Malerarbeiter, LKW-Fahrer, Milchhofarbeiter, Eisengießer und Postschalter-Beamter. 1963 inskribierte er an der Karl-Franzens-Universität für das Studium der Biologie, organischen Chemie und Philosophie. 1968 promovierte er summa cum laude. Anschließend arbeitete er drei Jahre lang als Universitätsassistent am Institut für Zoologie der Universität Graz. 1972 wechselte er an das Institut für Hygiene, wo er auch die Geschäftsführung der gemeinnützigen „Steiermärkischen Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundheit“ übernahm.
1976 feierte SIXL seine Habilitation für das Fach Medizinische Parasitologie und Medizinische Entomologie, vier Jahre später wurde ihm der Titel eines Universitätsprofessors verliehen. 1988 habilitierte er sich zusätzlich für das Fach Tropenhygiene und Geomedizin und er wurde stellvertretender Institutsvorstand am Institut für Hygiene. Dort wurde er mit der Neugestaltung der Hygiene-Ausbildung der Diplomierten Krankenschwestern betraut und auch als Prüfer eingesetzt. Sein damaliger Chef, der Krankenhaus- und Landeshygieniker Univ.-Prof. Dr. Möse eröffnete ihm die Möglichkeit das Fach der Krankenhaushygiene intensiv zu bearbeiten und in Folge als Berater für Krankenhäuser, für das Krankenhauspersonal und für Zulieferfirmen zur Verfügung zu stehen. Zugleich übernahm er die Leitung der „Geomedizinischen Forschungsstelle“ – bis heute hat er diese inne. 1990 war er Gastprofessor an mehreren Universitäten in der Tschechischen Republik. Zwischen 1988 und 1994 widmete er sich als parteifreier Gemeinderat der Stadt Graz den Aufgabenbereichen der Volksgesundheit und Stadtökologie. Als wesentliches Qualitätsmerkmal erreichte er 2001 für die Forschung und Diagnostik an seinem Institut die ISO-Zertifizierung.
Heute kann Professor SIXL auf zahlreiche herausragende Leistungen in seiner beeindruckenden wissenschaftlichen Laufbahn zurückblicken. Zu seinen großen Verdiensten zählt, dass er insgesamt acht Spezies von Mikroorganismen erstmals beschrieben hat. Dies sicherte SIXL auch einen dauerhaften Platz in der wissenschaftlichen Literatur. Zeit seines Berufslebens und auch über seine Pensionierung hinaus engagierte er sich in der Entwicklungszusammenarbeit. Als einer der frühesten und verdienstvollsten Pioniere in diesem Bereich unterstützte er, teils unter widrigsten Bedingungen und unter großem persönlichen Einsatz, die Implementierung von Hygienestandards in Krisengebieten und Entwicklungsländern. Durch sein internationales Wirken hat er das in Graz aufgebaute Know-how weit in die Welt hinausgetragen.
Das Ziel der zahlreichen Entwicklungszusammenarbeitsprojekte war und ist es, nachhaltig zur Besserstellung der unterstützen lokalen Bevölkerung in vielen Teilen der Erde beizutragen. SIXL selbst bereiste dazu seit 1973 rund 20 Länder, um entsprechende Maßnahmen in ländlichen Regionen, Flüchtlingslagern, Armenvierteln und bei Ureinwohnern umzusetzen und zu begleiten. Das betraf allem voran die Trinkwasserversorgung, Durchseuchungsstudien, Mutter-Kind-Programme, die Lebensmittelhygiene, die Schädlingsbekämpfung, die Abwasserhygiene und die Krankenhaushygiene.
Im Laufe seiner wissenschaftlichen Karriere wurden Wolfdieter SIXL zahlreiche Preise für seine herausragenden Arbeiten verliehen, darunter der Theodor Körner-Preis, der Hoechst-Preis und der Österreichische Hygiene-Preis. Er ist Träger der Ehrenmedaille sowohl der Veterinäruniversität Brünn, der Karls-Universität Prag als auch der Stadt Graz. Im Vorjahr wurde SIXL das Große Ehrenzeichen des Landes Steiermark verliehen und er wurde von der Medizinischen Universität Graz mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet. Bis heute ist die Expertise des Hygienikers viel gefragt. Er ist Mitglied diverser wissenschaftlicher Gesellschaften und Editorial Boards. Auch als Vortragender ist er nach wie vor aktiv. So war er erst unlängst als Keynote-Speaker beim 11. Tag der Hygiene im Congress Center Villach eingeladen, um über Hygienestandards der dritten Welt zu referieren.