hinten: LH-Stv. Hermann Schützenhöfer, Präs. Gerald Schöpfer, Rudolf Hajek, Peter Simonischek, Peter Bierbaumer, Johann Hasenhütl (Georgien-Hilfe), Johann Schleich und Josef Krainer; vorne: Annemarie Hajek, Brigitte Karner, Elisabeth Fleischmann, Dorli Jaufer
© Foto: Fischer

Josef Krainer-Heimatpreise 2013

Univ.-Prof. Dr. Peter BIERBAUMER und Mag. Elisabeth FLEISCHMANN - Bildung
GEORGIEN HILFE – Arbeitsgemeinschaft Steirische Schüler helfen georgischen Schülern -Soziales
KomR Rudolf Anton HAJEK - Wirtschaft
Prof. Johann SCHLEICH - Heimatkunde
Prof. Peter SIMONISCHEK und Brigitte KARNER - Kunst und Kultur



Ansprache des Obmannes
Präsident Univ.-Prof. DDr. Gerald Schöpfer
(2. Dez. 2013)

Presse-Reaktionen

Josef Krainer-Heimatpreise 2013

Univ.-Prof. Dr. Peter BIERBAUMER und Mag. Elisabeth FLEISCHMANN
(gemeinsam – Bildung)

Peter BIERBAUMER wurde 1942 in Admont geboren und besuchte dort auch die Schule. Nach der Matura nahm er im Herbst 1961 das Studium der Anglistik und Germanistik an der Universität Wien auf. Ein Jahr später inskribierte er sich am Dolmetschinstitut auch für Russisch. Im Sommersemester 1965 kehrte er in die steirische Heimat zurück und wechselte an die Universität Graz. Wenig später konnte er die Übersetzerprüfung aus Russisch erfolgreich ablegen und im Februar 1967 trat er eine Stelle als wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Englische Philologie an. Im April 1969 erfolgte schließlich seine Promotion zum Doktor der Philosophie und noch im selben Jahr die Bestellung zum Assistenten. Und noch ein wichtiger Termin ist in diesem, für ihn so erfolgreichen Jahr zu nennen: Die Hochzeit mit seiner Frau Helga, mit der er zwei Töchter hat. 1971 schloss er die Lehramtsprüfung für die Fächer Englisch und Deutsch ab, im Jahr 1979 habilitierte er sich für „Englische Sprachwissenschaft“. Im Wintersemester 1980/81 war er als Gastdozent an der Universität Innsbruck tätig, später auch Gastprofessor in Eichstätt. Mit Wirkung vom 1. Februar 1982 wurde er zum außerordentlichen Universitätsprofessor bestellt, in Folge leitete er die Abteilung für Sprachausbildung und Didaktik bzw. Fachsprachen, 1986 wurde er zum Vorstand des Instituts für Anglistik bestellt. Prof. BIERBAUMER war Vizestudiendekan und er gestaltete als Experte für historische Linguistik und Fachsprachen die Forschung und Lehre stets aktiv mit. Auch wenn er mit Oktober 2007 in den Ruhestand eintrat, so setzt er bis heute – zumindest Teilzeit – seine Unterrichts-, Forschungs-, Betreuungs- und Prüfungstätigkeiten mit großem Engagement fort. Der von ihm etablierte Studiengang „Europa: Sprachen, Wirtschaft und Recht“, der in Zusammenarbeit mit der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät erarbeitet wurde, trug wesentlich dazu bei, dass die Studienrichtung Anglistik heute zu den beliebtesten Studienrichtungen der Geisteswissenschaftlichen Fakultät zählt. BIERBAUMER war über 16 Jahre lang Präsident der Anglo Austrian Society Steiermark und er hat auch mehrere Institutionen geschaffen, die den AbsolventInnen ermöglichen sollten, in den Arbeitsmarkt einzusteigen: Unter anderem gründete er das Internationale Sprachzentrum an der Universität Graz (ISZ) sowie das Sprachenzentrum „treffpunkt sprachen“. Er ist auch Mitinitiator des „Europäischen Fremdsprachenzentrums des Europarats“ in Graz – einer Institution, die in ihrer internationalen Ausrichtung in der Landeshauptstadt einmalig ist. Ein weiterer großer Plan des Anglisten war es, in Graz eine internationale Schule zu gründen. Gemeinsam mit Werner Kristoferitsch, dem damaligen Leiter des Pestalozzi-Gymnasiums, entwickelte er diese Idee, aus der letztlich die „Graz International Bilingual School“ – kurz „GIBS“ – entstand. Eine mittlerweile legendäre Geschichte und „heißes“ Detail sei hier am Rande erwähnt: Ein Saunaabend war es, an dem die beiden Herren beschlossen, dieses Ziel konkret zu verfolgen und zu verwirklichen. Die Vorbereitungsarbeiten dazu wurden mit finanzieller Unterstützung durch AMS, Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung durchgeführt. Ein erster Schritt war 1991 die Konstituierung des Vereins zur Förderung der GIBS, dessen Obmann Peter BIERBAUMER bis heute ist. Von Anfang an bei diesem Erfolgsprojekt dabei ist Elisabeth FLEISCHMANN, erste und schließlich langjährige Direktorin der ersten zweisprachigen Schule in Graz.

Elisabeth FLEISCHMANN ist gebürtige Linzerin. Schon als zehnjährige Schülerin einer Linzer Mädchenschule hatte sie die Gelegenheit, einen Monat nach England zu gehen – eine Erfahrung die auch ihre weitere Laufbahn prägen sollte. Nach der Reifeprüfung, die sie 1964 mit ausgezeichnetem Erfolg abschloss, studierte sie in Wien und Graz das Lehramt Englisch und Leibeserziehung. In einem Interview bestätigte Frau FLEISCHMANN einmal, dass sie „immer schon ein anderer Zugang zum Lernen interessiert“ hat und sie deshalb auch alles Mögliche ausprobieren wollte. So zog es sie beispielsweise auch nach Hamburg, wo sie Mitbegründerin eines Kindergartens war. Der Liebe wegen ist sie dann in Graz geblieben und sammelte Unterrichtserfahrung sowohl im BG/BRG Weiz als auch im BG/BRG Kirchengasse in Graz, wo sie eine bilinguale klasse einführte. Aber auch mit alternativen Schultypen machte sie bereits früh Erfahrung, denn sowohl die alternative Volksschule Reintal als auch die Modellschule Graz wurden von ihr mitgegründet. Ihr gebündeltes Wissen, vor allem im Zusammenhang mit bilingualem Unterricht und der Einführung eines Kurssystems in der Oberstufe der AHS konnte sie bis zu ihrer Pensionierung vor fast genau drei Jahren in zahlreichen Konferenzbeiträgen, Workshops und Referaten weitergeben. Außerdem war sie Betreuungslehrerin für StudentInnen im Schul- und Unterrichtspraktikum, Koordinatorin des Fachdidaktiklehrgangs für UnterrichtspraktikantInnen sowie Lehrbeauftragte für ein Fachdidaktik-Proseminar an der Universität Graz.

Das „Experiment“ bilinguale Schule startete 1991 als Projekt innerhalb der Pestalozzischule, unter der wissenschaftlichen Begleitung von Prof. BIERBAUMER und der schulischen Betreuung von Mag. FLEISCHMANN. Waren es mit etwas mehr als siebzig SchülerInnen anfangs noch dislozierte Klassen des BG/BRG Pestalozzi die sie verantwortete, kam drei Jahre später der Durchbruch und sie wurde Expositurleiterin der GIBS – mit eigenem Standort in der Marschallgasse. Renovierungsarbeiten und das stetige Ansteigen der Schülerzahlen machten mehrmalige Übersiedelungen nötig, bis das Gebäude in der Marschallgasse neu bezogen werden konnte. Seit 1999 gilt die GIBS als eigenständige Schule und Elisabeth FLEISCHMANN als offizielle Direktorin. Unter ihrer Leitung stieg das öffentliche Interesse an der bilingualen Schulform weiter an. Dies führte dazu, dass nur zehn Jahre später das Gebäude aus allen Nähten platzte und der Unterricht teilweise sogar in Containern stattfand. Deshalb war Elisabeth FLEISCHMANN vor dem Verdienten Antreten ihres Ruhestands noch einmal alles andere als ruhig. Ihr ist es zu verdanken, dass die GIBS einen neuen, geeigneten Standort finden konnte. Mit Beginn des Schuljahres 2010/2011 wurden die ehemaligen Räumlichkeiten der Pädagogischen Akademie der Diözese Graz-Seckau in der Georgigasse in Graz-Eggenberg bezogen. Damit konnte sie besten Gewissens Gebäude, Amt und Zepter an ihre Nachfolgerin, die derzeitige GIBS-Leiterin Imelda Görög übergeben. Heute ist die GIBS ist ein internationales Gymnasium mit ca. 60 LehrerInnen und rund 500 SchülerInnen von der fünften bis zur zwölften Schulstufe. Elisabeth FLEISCHMANN wird wohl immer ein Teil davon bleiben, auch wenn sie selbst nun mehr Zeit und Raum für andere, private Pläne aufbringen kann, zum Beispiel zum Reisen oder Sporteln oder einfach zum Spielen mit ihren vier Enkelkindern.

Peter BIERBAUMER wurde für sein jahrelanges Engagement bereits an der Universität geehrt und gefeiert und Elisabeth FLEISCHMANN wurde von einer applaudierenden Menge von SchülerInnen und KollegInnen in den Ruhestand verabschiedet. Der Applaus heute gilt ihnen beiden und der Josef Krainer Heimatpreis soll ihre gemeinsamen Leistungen im Bildungsbereich als Pioniere der Schulentwicklung auszeichnen.

GEORGIEN HILFE – Arbeitsgemeinschaft Steirische Schüler helfen georgischen Schülern (Soziales)

Die „Arbeitsgemeinschaft Steirische Schüler helfen georgischen Schülern“, oder kurz GEORGIEN HILFE, ist eine gemeinnützige Vereinigung mit Sitz in Graz, die sich in der Organisation und Aufbringung von finanziellen Mitteln und Sachspenden für Hilfsprojekte in Georgien, den GUS-Staaten und Anrainerstaaten des Schwarzen Meeres engagiert. Die Idee zum Projekt GEORGIEN HILFE entstand bereits im Frühjahr 1998 anlässlich einer UNESCO-Konferenz in Georgien mit dem Titel „Deine Heimat und ihr Erbe“, bei der der heutige ARGE-Obmann Arch. Prof. Dipl.-Ing. Dieter RITZ auf die katastrophalen baulichen und sanitären Zustände an der öffentlichen deutschen Schule Nr. 9 in der Universitäts- und alten Königsstadt Telawi aufmerksam wurde. Sie ist eine von nur zwei Schulen in Georgien mit Deutsch als Unterrichtsgegenstand und beheimatet in 28 Klassen rund 55 LehrerInnen und 660 SchülerInnen von der ersten bis zwölften Schulstufe. Zum damaligen Zeitpunkt gab es jedoch weder eine intakte Strom- oder Wasserversorgung, noch eine funktionierende Heizungs- oder Toilettenanlage. Zudem war das Dach kaputt, die Fassade desolat und auch die Innenräume und Fenster in äußerst schlechtem Zustand. Lehrer der HTBLA Graz Ortweingasse und der steirischen Landesberufsschulen für das Baugewerbe sowie für Sanitär- und Klimatechnik erklärten sich daraufhin spontan zur Mithilfe bereit. In beispielgebender Weise wird aufgezeigt, wie einerseits junge Menschen für ein Hilfsprojekt begeistert werden können und andererseits im Rahmen des Unterrichtes schulübergreifend konkrete Hilfsmaßnahmen ermöglicht werden. Im Jahr 1999 reisten zwölf Schüler der HTBLA Graz Ortweingasse unter Leitung ihrer Lehrer für eine Bestandsaufnahme der renovierungsbedürftigen Schule Nr. 9 erstmals – und auf eigene Kosten – nach Telawi, um anschließend im Unterricht Pläne für einen sinnvollen Umbau und Ausbau zu entwickeln. Gemeinsam mit Schülern der Landesberufsschulen 4 und 5 in Graz projektierten und berechneten sie im Rahmen des Unterrichts die benötigten technischen Anlagen und Materialien und beteiligten sich an der praktischen Umsetzung. Nachdem im April 2001 eine Expertengruppe unter der Leitung von Prof. RITZ schließlich über die Sanierbarkeit entschied, wurde im Monat darauf sogleich die „Arbeitsgemeinschaft Steirische Schüler helfen georgischen Schülern“ gegründet. Mit ihrem Obmann Prof. RITZ und seinem Stellvertreter Johann HASENHÜTL hat diese seitdem eine bemerkenswerte Entwicklung erlebt. Mit Unterstützung des Landes Steiermark unter der damaligen Führung von Frau Landeshauptmann Waltraud Klasnic und durch laufende Spenden von SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern war es möglich, mehrere Schulklassen zu sanieren bzw. zu renovieren. Heute steht das Projekt u.a. unter der Patronanz von Landeshauptmann Franz Voves und dem Landesrat für Wirtschaft, Europa und Kultur Christian Buchmann. Im Oktober 2002 waren wieder Lehrer der beiden Berufsschulen mit ihren Schülern vor Ort in Telawi im Einsatz. Dank der großzügigen Materialspenden österreichischer Firmen und der Unterstützung zahlreicher weiterer Partner, wie u.a. den Austrian Airlines, war es möglich die Sanierung des alten Schulgebäudes in Angriff zu nehmen, Sanitäranlagen sowie eine Solaranlage für die zentrale Warmwasserversorgung der Schule zu errichten – übrigens die erste in der gesamten Region Kachetien. Seitdem standen und stehen bis heute schrittweise weitere Renovierungsarbeiten am Programm und auch neue Hilfs- und Kooperationsprojekte stehen am Start. Es kann gesagt werden, dass der älteste Europäer ein Georgier ist – was aufgrund von etwa 1,8 Millionen Jahre alten Skelett- und Schädelfunden des sogenannten „Homo erectus“ aufgezeigt wurde und staatliche Gebilde sind im dortigen Gebiet bereits im vierten Jahrhundert vor Christus entstanden. Dennoch ist heute gerade die im östlichen Teil Georgiens befindliche Verwaltungsregion Kachetien eine sehr strukturschwache Region, die auf die Hilfe und Unterstützung von außen angewiesen ist. Neben dem praktischen-pädagogischen Aspekt für ihre Unterrichtstätigkeit und dem notwendigen Know-How-Transfer achten die Berufsschullehrer und unentgeltlich arbeitenden ARGE-Mitarbeiter auf die Planung, Koordination und Kontrolle der Arbeiten an der Schule, um ein professionelles Management und sinnvolles Verwenden der Spendengelder zu garantiert. Wichtige Stützen innerhalb der GEORGIEN HILFE waren bzw. sind in diesem Zusammenhang auch die weiteren Vorstandsmitglieder, wie u.a. Kassier Wilhelm Harer, Schriftführer Siegmar Griletz oder die ehemaligen Berufsschuldirektoren Manfred Strimitzer und Fritz Pristavnik. Was Telawi bzw. die gesamte Region Kachetien insbesondere auch mit der Steiermark verbindet, das ist – neben dem in beiden Ländern traditionellen Weinbau – der Tourismus. Das greift nun auch die GEORGIEN HILFE in ihren weiterführenden Projekten auf und bemüht sich auf Wunsch von Eltern und LehrerInnen der deutschen Schule Nr. 9 um eine Ausbildungsmöglichkeit für Tourismusfachkräfte. Außerdem soll in weiterer Folge ein Schüleraustausch zwischen georgischen und österreichischen SchülerInnen ermöglicht werden. Diesen Ideen steht auch die Rektorin der Universität in Telawi, Frau Tinatin Jakhischvili, sehr positiv gegenüber, was sie anlässlich ihrer Teilnahme bei der ersten Schwarzmeer-Konferenz vor etwas mehr als einem Jahr hier in der Steiermark bekräftigte. Audiomitschnitte dieser Konferenz sind übrigens für alle Interessierten nach wie vor auf den Webseiten des Landes Steiermark online verfügbar. In diesem Rahmen wurden der ARGE-Obmann Dieter RITZ und sein Stellvertreter Johann HASENHÜTL auch für ihre unermüdlichen Bemühungen und die ehrenamtliche Unterstützung um die Schule Nr. 9 zu Ehrenbürgern der Stadt Telawi ernannt. Besondere Unterstützung verlangen nun ihre neusten völkerverbindenden Projekte, wie die Ausarbeitung eines Konzepts für das Projekt Tourismus. Hier soll eine Zusammenarbeit bzw. ein Austausch mit der Tourismusschule Bad Gleichenberg und den steirischen Musterbeispielen Vulkanland bzw. Thermenland erfolgen. Neben dem Schüler- ist darüber hinaus auch ein Studenten-Lehrer-Austausch in Planung. All dies benötigt natürlich auch finanzielle Hilfe. Deshalb soll der Josef Krainer Heimatpreis einerseits eine Auszeichnung dafür sein, welche großartigen sozialen Hilfsprojekte die „Arbeitsgemeinschaft Steirische Schüler helfen georgischen Schülern“ bisher in beeindruckender Weise umsetzen konnte. Andererseits soll der Preis – ganz nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“ – auch als Sprachrohr wirken, diese Leistungen auch nach außen hin sichtbar machen und neue Interessierte und mögliche UnterstützerInnen ansprechen.

KomR Rudolf Anton HAJEK (Wirtschaft)

Rudolf Anton HAJEK ist 1946 in Graz geboren und entstammt einer der wohl bekanntesten Floristenfamilien der Steiermark. Seine Eltern Rudolf und Aloisia Hajek führten einen Floristenbetrieb, den sie selbst wiederum von Kommerzialrat Franz Hajek 1948 in der zweiten Generation übernommen hatten. Der „Flora-Salon“, das Stammhaus von Blumen Hajek in der Glacisstraße 67 in Graz wurde von seinem Großvater bereits im Jahr 1904 gegründet und besteht bis heute. Denn auch in der sehr schwierigen Nachkriegszeit, als die Menschen ihr weniges Geld lieber für Essen als für Blumen ausgaben, ist es seinem Vater gelungen, den Betrieb zu erhalten. Die Filiale „Burgflorist“, die als Blumensalon bereits seit 1896 besteht und den Familienbetrieb seit 1906 erweitert, übernahmen seine Eltern im Jahr 1960. In jungen Jahren war das Thema Blumen und der bestehende väterliche Betrieb noch wenig interessant und Rudolf HAJEK absolvierte vorerst seine Ausbildung in der Baufachschule Graz. Nach seinem Schulabschluss wandte er sich aber doch wieder der Floristik zu, stieg in den Betrieb seines Vaters ein und schloss sowohl die Ausbildung zum Kaufmann als auch jene zum Floristen mit Auszeichnung ab. Ein frühes und besonderes berufliches Erfolgserlebnis geht bereits auf diese Zeit zurück: Als der damalige Bundeskanzler a.D. Julius Raab starb, erhielt die Firma Hajek den Auftrag, den Blumenschmuck für die Aufbahrung zu arrangieren. Der junge Rudolf HAJEK durfte den Kranz des Bundespräsidenten stecken, was ihm großes Lob und ehrliche Anerkennung brachte. Nach dem Bundesheer hatte er die Gelegenheit im Ausland zu arbeiten und so sammelte er bei verschiedenen großen Floristen und Gärtnereien in den Niederlanden, Dänemark, Belgien und Israel prägende und lehrreiche Erfahrungen. Nach seiner Rückkehr nach Österreich Anfang der 1970er Jahre galt es für ihn, diese sehr rasch in der Praxis umzusetzen. Denn leider wurde sein Vater schwer krank und er übernahm 1974 den Flora-Salon, 1980 auch die Filiale Burgflorist. Gleichzeitig begann er sich stark in Fragen der Öffentlichkeitsarbeit für seine Branche zu engagieren – etwas, wofür sich bereits sein Großvater einsetzte. HAJEK wurde in den Ausschuss der Wirtschaftskammer Steiermark gewählt und merkte rasch, dass er im Rahmen dieser Plattform sehr viel für seine Branche bewegen konnte. Bereits 1992 wurde er Landesinnungsmeister der Gärtner und Floristen und in weiterer Folge setzte er sich maßgeblich für die Anerkennung des Berufs des Gärtner und Floristen als Meisterberuf ein. Ergebnis dessen war u.a. die Gründung der zwei Meisterschulen im Stift Zwettl und in Innsbruck. Neben diesem politischen und fachlichen Engagement war er aber natürlich weiterhin in seinem Unternehmen tätig, das 1985 das „Steirische Landeswappen“ verliehen bekam. Auch dort lag und liegt ihm die Ausbildung junger Menschen ganz besonders am Herzen. Bis heute konnte er über 50 Lehrlinge erfolgreich ausbilden, was viele Auszeichnungen sowie nationale und internationale Wettbewerbserfolge eindrucksvoll bestätigen. Rudolf HAJEK selbst bekam die Möglichkeit bei großen Blumenschauen Hallen zu gestalten, wie z.B. bei der Wiener Internationalen Gartenschau 1974, wo er auch drei Mal Gold gewann oder bei der Europameisterschaft in Brüssel. Er war als Gestalter der Gartenbaumesse Tulln, für das Neujahrskonzert im Musikverein Wien und bei diversen Dekorationsarbeiten in Israel, Tschechien und den Niederlanden aktiv. Zudem war er hauptverantwortlich für die Hallen-Gestaltungen der Internationalen Gartenschau 2000 in Graz und er organisierte zahlreiche Floristen-Wettbewerbe, bei denen sich die Berufsjugend messen konnte. All seine wertvollen beruflichen Erfahrungen konnte Rudolf HAJEK bislang in diversen Vorträgen auf Veranstaltungen und in den Berufsschulen vielen FloristInnen weitergeben. Im Jahr 2000 wurde ihm der Titel Kommerzialrat verliehen und vor mittlerweile mehr als acht Jahren, im Jahr 2005, wurde er zum Bundesinnungsmeister der österreichischen Gärtner und Floristen gewählt. Eine Funktion, die er bis heute mit vollem Engagement ausübt. Zusätzlich leitet er seit 2007 als Präsident das Blumenbüro Österreich, in dem die gesamte Öffentlichkeitsarbeit und Werbung für den Floristen-Beruf abgewickelt wird. Seit 2009 ist er Träger des Goldenen Ehrenring der WKO. Einer der wichtigsten Menschen sowohl im Unternehmen Hajek als auch für Rudolf HAJEK persönlich ist seine Frau Annemarie, die er 1970 heiratete. Sie ist ebenfalls Floristin und leitet den Burgflorist, hier in unmittelbarer Nähe der Grazer Burg, gleich neben dem historischen Burgtor und dem Grazer Dom. Die beiden sind glückliche Eltern von drei erwachsenen Kindern, wovon zwei in anderen Bereichen ihre Berufung gefunden haben – Tochter Elisabeth ist künstlerische Leiterin im Museumsquartier Wien und Sohn Rudolf betreibt ein Surf-Camp auf Bali. Ihr jüngster Sohn Josef hat sich aber der gleichen Passion wie seine Eltern verschrieben, wurde durch seine Auslandsaufenthalte zum Top-Floristen und Designer geformt und ist nun in vierter Generation im Familienbetrieb tätig. Als Spezialist für extravagante Blumenkunst und Wohnaccessoires leitet er den 2012 übernommenen und restaurierten Blumen-Pavillon in der Erzherzog-Johann-Allee, der sich in einem denkmalgeschütztem Gebäude aus dem Jahr 1868 im Grazer Stadtpark befindet. Für die Zukunft des Unternehmens ist also bestens vorgesorgt. Seit mehr als einem Jahrhundert und über vier Generationen hinweg stehen bei Blumen Hajek Qualität, Zuverlässigkeit, Kreativität und Originalität an oberster Stelle. Neben der Wertschätzung von Fachleuten und Berufskollegen ist es laut KomR HAJEK aber vor allem eines, das die schönste Anerkennung in seinem Beruf ausmacht: Die glänzenden Augen und leuchtenden Gesichter der Menschen zu sehen, wenn sie ihre Blumenarrangements sehen. Wofür sich Rudolf HAJEK immer mit Herz und Seele einsetzte und worauf er – wie er es selbst stets betont – besonders stolz ist, das ist die Leistung der steirischen Jungfloristen, die unser Bundesland bei nationalen und internationalen Meisterschaften mit großartigen Leistungen vertreten. Heute aber sei ihm selbst für seine herausragenden Leistungen und sein besonderes Engagement zu danken. Der Josef Krainer Heimatpreis soll Anerkennung und Ausdruck dafür sein.

Prof. Johann SCHLEICH (Heimatkunde)

Johann SCHLEICH ist 1946 in Feldbach geboren, er wuchs dort auf und er genoss dort auch seine Schulausbildung bzw. eine Malerlehre. Er ist also ein waschechter Feldbacher. Wohnt er heute auch in Gniebing-Weißenbach, so kann er sich ab 01.01.2015 auch wieder offiziell als Feldbacher bezeichnen, denn im Rahmen der steirischen Gemeindestrukturreform wird seine heutige Heimatgemeinde gemeinsam mit der Stadtgemeinde Feldbach und fünf weiteren Umlandgemeinden zu einer neuen Großgemeinde Feldbach fusionieren. Diese wird dann, nach Einwohnerzahl gemessen, zur fünftgrößten Gemeinde in der Steiermark und zum Kern des neuen Bezirks Südoststeiermark. Aufgrund seiner vielseitigen Interessen hatte Johann SCHLEICH bereits neben der Lehre die verschiedensten Kurse absolviert, darunter auch die Abendmatura. Nach seiner Einberufung zum Wehrdienst im Jahr 1965 war er Zeitsoldat und entschied sich für eine berufliche Laufbahn beim Österreichischen Bundesheer. Er machte bald sämtliche Ausbildungsstufen durch und besuchte u.a. die Unteroffiziersakademie in Enns sowie die Heereswirtschaftsschule in Wien. Anschließend wurde er mit jungen 21 Jahren zum Leiter der Verpflegswirtschaft der Kaserne Feldbach ernannt. Seit 1967 ist Johann SCHLEICH mit seiner Frau Theresia verheiratet. Die beiden feiern übrigens in genau einer Woche [Anm.: am 09.12.] ihren 46. Hochzeitstag – auch dazu sei herzlichst gratuliert. Gemeinsam haben sie zwei Kinder und mittlerweile 4 Enkelkinder. Ein Thema, das dem späteren Vizeleutnant beim Bundesheer immer am Herzen lag, war das Essen. Um die Jahrtausendwende verfasste er deshalb die beiden offiziellen Bundesheer-Kochbücher „Grenadiermarsch“ und „Gulaschkanone“, und vor wenigen Jahren folgten weitere Versionen seiner Kochbücher. So konnte Vizeleutnant SCHLEICH in seiner beruflichen Laufbahn viele Akzente setzen und blieb dem Bundesheer bis zu seiner Pensionierung treu, da er sich – wie er es selbst stets betonte – immer optimal entfalten und weiterbilden konnte. Neben seiner Tätigkeit beim Militär startete er eine überaus erfolgreiche Karriere als Journalist und Buchautor und wurde so auch der breiten Öffentlichkeit gekannt. Begonnen hat er seine journalistischen Tätigkeiten 1975 als Mitbegründer der Raabtaler Bildpost und als Regionalberichterstatter für Tagespost, Kleine Zeitung, Sonntagspost und Neues Land. Damals war er auch Leiter des Heimatmuseums in Feldbach und wenig später, 1978, gründete er seine eigene Presseagentur „Schleich-Press“. In der Folge schrieb er für die Kleine Zeitung, die Sonntagspost, die Bunte, den Kurier, die Kronen Zeitung und viele andere namhafte Blätter. Zudem verfasste er Nachrichtentexte für den Rundfunk. Seine stets kritischen, gut recherchierten und unterhaltsamen Beiträge fanden großen Anklang und eine wachsende Zahl begeisterter LeserInnen. So ging zum Beispiel die von ihm recherchierte Reportage zum Pawlik-Mord rund um die Welt. Es folgten die Gründung seiner eigenen Werbeagentur „Schleich-Werbung“, wie jene der „Schleich-Film“ – hier sei auch die laufende und tatkräftige Unterstützung seiner Familie erwähnt – und er hob die regionale „TIP-Zeitung“ aus der Taufe. In den verschiedenen Tages- und Wochenzeitungen verfasste er über die Jahre hinweg hunderte Folgen von Dokumentationen zum Thema Steiermark und schrieb bis heute an die 35.000 Zeitungsartikel. Fast zeitgleich mit seiner journalistischen Karriere begann auch seine Karriere als Buchautor. Für Johann SCHLEICH war und ist es von besonderer Bedeutung, dass die Geschichte seiner Heimatregion nicht vergessen und für die Nachwelt festgehalten wird. Schon seit seiner Jugend beschäftigte er sich mit Fotografie und nur wenige Jahre danach begann er die Geologie, Geschichte und Volkskunde des Vulkanlandes zu erforschen. Dadurch entstand eine umfangreiche Sammlung von Fotos, Dokumenten, Büchern und Objekten. Anfangs verfasste er Gemeindechroniken und Ortsführer aus der Gegend und schrieb Sagen aus dem Volksmund nieder. Seine „Riegersburger Hexen-Geschichten“ wurden auch ins Englische und Französische übersetzt und für sein Buch „Alte Handwerkskunst im Steirischen Vulkanland“ musste er jedes Handwerk selbst lernen, um es überhaupt beschreiben zu können. Dies zeigt mit welcher Leidenschaft SCHLEICH für seine Bücher recherchiert und diese schreibt. Bis heute erschienen von ihm – mit den Schwerkpunkten Volkskunde und Geschichte der Steiermark bzw. Österreichs – genau 80 Bücher und Broschüren, bei weiteren 38 Publikationen hat er Aufsätze oder Fotos beigestellt. Zu seinen bekanntesten Titeln zählen weiters u.a. das Buch „Hexen, Zauberer und Teufelskult in Österreich“ aus dem Jahr 1999, sowie die in den Jahren 2002 und 2003 erschienenen Titel „Das Steirische Vulkanland - Land aus Feuer und Wasser“ und „Sitte und Brauch im Steirischen Vulkanland“. 2004 und 2005 folgten „Die Oststeiermark in alten Ansichten“, „Kräuterweiber und Bauerndoktoren“ sowie „Erlebt - Überlebt - Der 2. Weltkrieg in der Oststeiermark“. 2008 erschien eine Publikation über „Wein in der Südoststeiermark“ und im Vorjahr erschien die bereits zweite Auflage seines Erfolgsbuches „Die Steiermark unter der Gürtellinie“ aus dem Jahr 2011. Darin beschäftigt er sich auf 335 Seiten in einzigartiger und amüsanter Weise mit Kuriositäten in der Steiermark und wagt dabei einen tiefen Blick in die Steirerpsyche. In einem neuen, 2012 erschienenen Fachbuch wird von Johann SCHLEICH wiederum das Vulkan- und Thermenland mit allen historischen, kunstgeschichtlichen, geologischen und volkskundlichen Bereichen beschrieben. Und pünktlich zum Gedenkjahr 2014, in dem sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum einhundertsten Mal jährt, griff er ein Thema wieder auf, dass er vor fast 40 Jahren erstmals gemeinsam mit Rudolf Grasmug behandelte – das Kriegsgefangenenlager Feldbach 1914–1918. Mehr als 35 Ehrungen und Auszeichnungen können Johann SCHLEICH bereits zugeschrieben werden, die größten unter ihnen sind wohl die Verleihung des Goldenen Ehrenzeichens des Landes Steiermark 1998 und 2005 die Ernennung zum Professor. Ganz aktuell, vor nur etwas mehr als einem Monat, wurde Prof. SCHLEICH mit dem Lebenswerk-Preis des Steirischen Vulkanlands ausgezeichnet. Er war nämlich nicht nur Ideen- und Namensgeber zur Gründung des Projekts „Steirisches Vulkanland“, sondern drehte für VulkanTV im Rahmen seiner Reihe „Auf Schleich-Wegen unterwegs“ in den vergangenen Jahren rund 120 Dokumentarfilme über Volkskunde und Lebensgeschichten in der Region. Einige Fernsehfilme entstanden gemeinsam mit dem ORF und dem Regisseur Alfred Ninaus, viele seiner interessanten Beiträge sind für alle Interessierten auch auf YouTube nachzuhören und zu -sehen. Darüber hinaus ist er Ideengeber, Gründer und Mitbegründer zahlreicher Museen. In diesem Zusammenhang ist zum Beispiel das 1977 gegründete 1. Steirische Fischereimuseum zu nennen, das – exotisch klingende – Wetterraketenabschusshüttenmuseum in Gniebing-Berg, das 1. Steirische Rotkreuz-Museum in Feldbach oder aktuell die Idee zur Gründung des Flechtkunstmuseums heuer in Hof bei Straden. Wie schafft man das alles? Auf diese Frage antwortete Prof. SCHLEICH in einem Interview einmal: „Das ist alles kein Problem, man muss sich die Zeit nur einteilen.“ Darum bleibt einfach nur zu wünschen, dass er sich seine Zeit auch weiterhin so gut einteilen kann und dass er mit der Freude an seiner Arbeit, mit seiner Freundlichkeit und der positiven Einstellung weiter ein so großes Vorbild für seine LeserInnen, ZuseherInnen und Mitmenschen ist. Verbunden mit der Hoffnung auf noch viele weitere interessante Beiträge sei zum Josef Krainer Heimatpreis herzlichst gratuliert!

Prof. Peter SIMONISCHEK und Brigitte KARNER
(gemeinsam – Kunst und Kultur)

Seit 27 Jahren sind Peter SIMONISCHEK und Brigitte KARNER ein Paar. Vielmehr noch sind sie ein Künstlerehepaar, das sich einerseits in einer Balance zwischen künstlerischem Freiraum und gegenseitiger Unterstützung zu jeweiligen Höchstleistungen anspornt und andererseits sind sie stets bemüht, privat wie beruflich, neue gemeinsame Projekte zu entwickelt.

Die gebürtige Kärntnerin Brigitte KARNER absolvierte ihre künstlerische Ausbildung an der Schauspielakademie Zürich und spielte dort zu Beginn ihrer jungen Karriere am Schauspielhaus Zürich u.a. in Schnitzlers „Anatol“ und „Liebelei“ sowie in Gogols „Die Heirat“. Sie gastierte am Stadttheater Basel, bei den Salzburger Festspielen in Weseles „Die Hochzeit“ und an der ehemaligen Freien Volksbühne Berlin in Calderóns „Das Leben ein Traum“. Am Renaissance-Theater Berlin war sie in Robert Thomas‘ „Acht Frauen“ zu sehen. Für ihre Darstellung der Gina in Henrik Ibsens „Die Wildente“ am Wiener Theater in der Josefstadt erhielt die Künstlerin im Jahr 2003 eine Nominierung für den begehrten Nestroy-Preis. Sie konnte sich aber nicht nur durch ihre Theaterengagements in Österreich, der Schweiz und Deutschland einen Namen machen, sondern übernahm ab Anfang der 1980er Jahre auch zahlreiche Rollen in internationalen Film- und Fernsehproduktionen. So wirkte sie z.B. 1988 in der 13-teiligen englisch-amerikanischen Serie „Game, Set and Match“ und 1993 im Fernsehmehrteiler „Der große Bellheim“ mit und war regelmäßig für Krimiserien wie „Derrick“, „Ein Fall für Zwei“, „Der Alte“, „Tatort“ oder „SOKO Kitzbühel“ vor der Kamera. In den Jahren 2007/08 hatte Brigitte KARNER die künstlerische Leitung des Kleinen Theaters im Keller des Café Prückel am Wiener Stubenring inne, ehe sie 2009 mit der Uraufführung des Theater-Soloprogramm „Gute Nacht Okapi“ von Bregenz ausgehend auf etlichen Bühnen im deutschen Sprachraum grandiose Erfolge feierte. Im Frühjahr 2010 spielte Brigitte KARNER die männliche Titelrolle in Molières „Der eingebildete Kranke“ am Landestheater Salzburg und beeindruckte bei den Tiroler Festspielen Erl als Sarastro in der „Zauberflöte“. 2011 wirkte sie am Landestheater St. Pölten in Thomas Bernhards Stück „Verstörung“ mit und erregte im selben Jahr mit ihrer Darbietung gemeinsam mit den Wiener Sängerknaben in „A Survivor from Warsaw - opus 46“ von Arnold Schönberg internationale Aufmerksamkeit. 2012 spielte Frau KARNER im Liebesdrama „Utta Danella – Prager Geheimnis“ mit und sie drehte den ZDF-Krimi „Schneewittchen muss sterben“. Im Frühjahr dieses Jahres war sie in Hans Hofers Liebeskomödie „Zweisitzrakete“ in den österreichischen Kinos zu sehen. Gerade erst gestern vor einer Woche [Anm.: Sonntag, 24. November 2013] folgte die Ausstrahlung ihres letzten Filmprojekts, des neuen Films der ZDF-Herzkino-Reihe „Engel der Gerechtigkeit“, in dem sie an der Seite von Katja Weitzenböck und Robert Atzorn spielte. Auch vielen Benefiz-Veranstaltungen, u.a. mit Ernesto Cardenal, verlieh die Schauspielerin mit dem besonderen Timbre immer wieder gerne ihre Stimme. Die vielen Engagements und Erfolge lassen einem gar nicht glauben, dass sich Brigitte KARNER zwischenzeitlich für fast 15 Jahre bewusst beruflich zurückgenommen hat, um sich um die Familie zu kümmern. Sie widmete sich ihren beiden gemeinsamen Söhnen mit Peter SIMONISCHEK, die beide bei den Wiener Sängerknaben bereits erste künstlerische Erfahrungen sammeln konnten und schaffte so auch den Freiraum für ihren Mann und unterstützte so auch seine grandiose schauspielerischen Erfolge. Ihren genauso bewussten Weg zurück auf die Bühne erfreut heute aber nicht nur ihre Familie sondern auch ihr treues Publikum.

Peter SIMONISCHEK ist in Graz geboren und wuchs im oststeirischen Markt Hartmannsdorf auf. Seine Mittelschulzeit verbrachte er im Internat des Stiftsgymnasiums in Sankt Paul im Lavanttal, wo er bereits mehrfach im Schülertheater auftrat. Ein Medizinstudium, wie es sein Vater für ihn vorsah, verweigerte er. Auch ein begonnenes Architekturstudium an der Technischen Hochschule in Graz und eine gleichzeitige Zahntechniker-Ausbildung beendete er nicht. Stattdessen meldete er sich – vorerst heimlich – an der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Graz an. Bereits während seiner Studienzeit trat er am Schauspielhaus Graz auf, danach folgten Engagements am Stadttheater St. Gallen sowie in Bern, Darmstadt und am Düsseldorfer Schauspielhaus. In seinen Anfangsjahren schlüpfte er bereits in zahlreiche unterschiedliche Rollen, so spielte er u.a. den Tempelherrn im „Nathan“, den Titus Feuerfuchs in Nestroys „Talisman“, den Flieger in „Der gute Mensch von Szechuan“ von Brecht, Wetter vom Strahl in Kleists „ Käthchen von Heilbronn“, Ferdinand in „Kabale und Liebe“ oder Edmund in Shakespeares „König Lear“. Ab 1979 gehörte er 20 Jahre lang dem Ensemble der Berliner Schaubühne unter der Leitung von Peter Stein und später Andrea Breth an. Seit der Spielzeit 1999/2000 ist Peter SIMONISCHEK fixes Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters. Bereits seit 1982 war er bei den Salzburger Festspielen in mehreren Titelrollen zu erleben. Die wohl bekannteste und ruhmbringendste übernahm er schließlich 2002 in Christian Stückls Inszenierung von Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“. Neun Jahre in Serie wurde das zu „seiner“ Rolle und Herr SIMONISCHEK somit zum längst dienenden „Jedermann“ Salzburgs. Der Burgschauspieler kehrte in den vergangenen Jahren aber auch immer wieder gerne an seine Ursprünge zurück und hielt dem Schauspielhaus Graz seine Treue. So war er in der Saison 2008/2009 in der Titelrolle des Stücks „Baumeiser Solness“, einer Inszenierung von Intendantin – und ebenfalls Krainer-Preisträgerin – Anna Badora, zu sehen. Dafür wurde er, bereits zum zweiten Mal nach 2004, für einen Nestroy-Preis als Bester Schauspieler nominiert. 2010 gastierte er in Götz Spielmanns Rotlichtmilieu-Drama „Imperium“ ein weiteres Mal am Grazer Schauspielhaus. Aktuell ist Peter SIMONISCHEK u.a. am Akademietheater in Thomas Bernhards „Der Ignorant und der Wahnsinnige“ zu sehen sowie in Ferdinand Bruckners Stück „Die Marquise von O.“ im Wiener Burgtheater. Es ist erst wenige Tage her, als er dafür wieder auf der Bühne stand (Anm.: Mittwoch, 27.11.2013 bzw. Donnerstag, 28.11.2013). Seit Ende der 1970er Jahre ist er aber auch regelmäßig im Fernsehen und im Kino zu sehen. In zwei Fernsehfilmen von Axel Corti spielte er bereits Anfang der 1980er die männliche Hauptrolle. In diese Zeit fällt auch SIMONISCHEKS erste Ehe mit der Schweizer Schauspielerin Charlotte Schwab. Sein 1982 geborener Sohn aus dieser Ehe, Maximilian Simonischek, ist mittleiweile selbst als Schauspieler erfolgreich – er war u.a. als Hauptdarsteller im Fernsehzweiteiler „Hindenburg“ zu sehen. Wenige Jahre darauf spielte er (Peter SIMONISCHEK) im Fernseh-Mehrteiler „Lenz oder die Freiheit“ an der Seite seiner heutigen Frau Brigitte KARNER mit. Des Weiteren wirkte er mit Julian Pölsler als Regisseur in mehreren Romanverfilmungen von Alfred Komarek mit. Mehrere Filme in denen er mitwirkte erhielten renommierte Auszeichnungen: „Hierankl“ von Hans Steinbichler bekam 2006 einen Adolf-Grimme-Preis mit Gold und für den Fernsehfilm „Liebesjahre“ erhielt er 2012 einen weiteren Grimme-Preis und eine „Goldene Kamera“. Seine letzten Filmprojekte waren voriges Jahr der Historienfilm „Ludwig II“ und der deutsche Fantasy-Spielfilm „Rubinrot“, der im März dieses Jahres Weltpremiere in München feierte. Gerade erst im November 2013 feierte Götz Spielmanns neuer Film „Oktober November“ Kinostart in Österreich – darin spielt er einen sterbenskranken Vater, der ein Geheimnis mit sich trägt. Aber nicht nur auf Bühne oder Bildschirm ist SIMONISCHEK oft zu sehen, seine Stimme ist auch in vielen Hörbüchern zu hören. Auch dafür ist er bereits mehrfach ausgezeichnet – 2008 und 2010 erhielt er den Deutschen Hörbuchpreis. 1999 wurde er von der Republik mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet, seit 2003 ist er Träger des Großen Goldenen Ehrenzeichens des Landes Steiermark. Was viele nicht wissen, Peter SIMONISCHEK unterrichtet am Max-Reinhardt-Seminar und ist auch Professor. 2006 wurde ihm dieser Titel durch den österreichischen Bundespräsidenten verliehen.

Abschließend soll noch einmal das Gemeinsame hervorgehoben werden. Ein besonderes künstlerisches Anliegen sind dem Künstlerehepaar KARNER-SIMONISCHEK ihre seit vielen Jahren veranstalteten gemeinsamen Rezitationsabende. Diese werden vom begeisterten Publikum allerdings nicht nur als „szenische Lesungen“, sondern vielmehr als große Theatervorstellungen aufgenommen. Gerade erst gestern [Anm.: 01.12.2013] waren sie noch mit ihrem Adventprogramm „Warten & Lauschen“ in St. Pölten und lasen in ihrer unverwechselbaren warmherzigen und abwechslungsreichen Art Dialoge von Erich Kästner, Heinrich Hoffmann von Fallersleben und Rainer Maria Rilke. Hoffentlich war für sie das Zuhören und Lauschen ihrer eigenen (Lebens-)Geschichte heute hier in Graz genauso spannend.